Mitsprache abgeschafft
Das Ende der Pseudo-Demokratie bei Facebook

Ende der Mitsprache 2.0: Facebook nimmt den Mitgliedern die Möglichkeit, über neue Nutzungsbedingungen abzustimmen. Das ist zwar bedauerlich – aber wenigstens ehrlich. Ein Kommentar.
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Facebook schafft die Mitbestimmung ab: Die Mitglieder des Online-Netzwerks dürfen bei Änderungen an den komplexen Nutzungsregeln künftig nicht mehr mitreden. Ein Verlust ist das nicht. Denn Facebook bot keine Demokratie, sondern nicht mehr als ein verzichtbares Pseudo-Wahlrecht.

Bei der Einführung der Mitbestimmungsregeln im April 2009 mag Facebook vielleicht aufrichtig gehofft haben, dass die Nutzer die Plattform mitgestalten – zumindest vor dem Börsengang sprach Firmengründer Mark Zuckerberg gerne davon, dass das Netzwerk eine „soziale Mission” habe und die Welt besser machen solle. Das Online-Netzwerk hatte die Mitsprache immer wieder als einzigartiges Beispiel für Demokratie im Verhältnis zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden hervorgehoben. Doch diesem hehren Anspruch ist es nie gerecht geworden.

Das fängt schon beim Prozedere an. Damit es überhaupt zu einer Abstimmung über neue Regeln kam, mussten 7000 Nutzer den Vorschlag kommentieren. Erst danach legte das Unternehmen mehrere Alternativen vor. Als verbindlich sah es ein Votum aber nur an, wenn sich mindestens 30 Prozent der aktiven Nutzer beteiligten. Diese Hürde war praktisch unüberwindbar: Angesichts einer Nutzerschaft von mehr als einer Milliarde Mitglieder müssten mehr als 300 Millionen abstimmen.

Zumal Facebook nur einen Bruchteil seiner Nutzer auf die neuen Vorschläge hinwies. Das Unternehmen, das sich dem Teilen von Informationen verschrieben hat, veröffentlichte sie lediglich auf der Seite „Facebook Site Governance“. Nur 2,7 Millionen Mitglieder abonnieren die Einträge. Erst zuletzt, bei der finalen Abstimmung über die Abstimmung, informierte Facebook alle Nutzer per E-Mail. Das war zu spät, um die Online-Demokratie einzuüben.

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