Mittal/Arcelor
Die Stunde der Aktionäre

Guy Dollé hat Recht behalten. Zu Beginn der bislang größten Übernahmeschlacht in der Stahlbranche sagte der Chef des Luxemburger Stahlkonzerns Arcelor: „Dies wird ein Zehntausendmeterlauf, und wir befinden uns in der ersten von insgesamt 25 Runden.“

Jetzt, vier Monate später, ist der größte Teil der Strecke absolviert, die Läufer bereiten sich auf den Endspurt vor. Siegen wird, wer größere Reserven hat: Angreifer Mittal oder Verteidiger Arcelor. Unbestreitbar ist, dass Dollé, der die Fusion kategorisch ablehnt, für seine Aktionäre viel herausgeholt hat. Der indische Stahlunternehmer Lakshmi Mittal ist mit seinem Versuch, den Branchenzweiten Arcelor quasi im Handstreich einzunehmen, gescheitert. Mittal musste nicht nur sein ursprüngliches Übernahmeangebot drastisch aufstocken, sondern auch bei der Corporate Governance Zugeständnisse machen. Das Mehrfachstimmrecht der Familie Mittal, das ihr die Kontrolle über das fusionierte Unternehmen trotz fehlender Kapitalmehrheit gesichert hätte, ist jedenfalls vom Tisch. Dass Mittal die bei allen gut geführten Unternehmen geltende Regel eine Aktie, eine Stimme wenn auch zähneknirschend akzeptiert, ist positiv zu werten.

Denn die Gefahr, dass Mittal die Arcelor-Aktionäre über den Tisch ziehen könnte, ist jetzt deutlich geringer als noch zu Beginn des Übernahmekampfes. Dennoch lässt sich darüber streiten, ob Mittal nun einen angemessenen Preis bietet oder nicht. Die Tatsache, dass er nach wie vor kein reines Barangebot vorlegt, stimmt bedenklich. Doch jetzt sind die Arcelor-Aktionäre am Zug: Sie müssen sich entscheiden, ob sie die Fusion wollen oder nicht. Dollé sollte das Votum akzeptieren. Denn dann vermeidet er den Eindruck, es gehe ihm nur darum, die eigene Haut zu retten.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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