Mittelmeergipfel
Sarkozy wertet Syrien auf

Von der Unperson zum Gast auf der Ehrentribüne: Frankreich nutzt die Gründung der Mittelmeerunion, um Syriens Staatschef Assad aus der „Achse des Bösen“ zu lösen.
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Bisher sind es nur Absichtserklärungen, die der syrische Präsident Baschar el-Assad beim Mittelmeergipfel in Paris abgegeben hat. Assad will die Beziehungen zum Libanon normalisieren und eine diplomatische Vertretung in Beirut eröffnen. Bis zur faktischen Anerkennung des Libanons durch Syrien ist es aber noch ein weiter Weg. Ein historischer Durchbruch ist die Ankündigung aus Paris deshalb nicht, auch wenn dies Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy glauben machen will.

Dennoch kommt ihr große symbolische und strategische Bedeutung zu. Assad gibt dem EU-Ratspräsidenten Sarkozy sein Wort und nicht dem noch amtierenden US-Präsidenten. Die EU hat derzeit im Nahen Osten offenbar größeres Gewicht. Und es ist eine wichtige strategische Entscheidung, den international geächteten Assad aus der Isolierung zu holen. Seit 2001 war der syrische Autokrat "persona non grata" in Paris. Nun wurde er mit allen Ehren empfangen. Sogar an der heutigen Militärparade darf er teilnehmen.

Sarkozy verfolgt mit dieser gewagten Strategie zwei Ziele: Er will den Nahost-Friedensprozess unterstützen, in dem Syrien ein wichtiger Player ist, und das Land aus der "Achse des Bösen" mit Iran lösen. Ob das gelingt, ist fraglich. Assad behauptete in Paris, der Iran verfolge überhaupt kein Atomwaffenprogramm, deshalb könne er auch nicht mäßigend auf Teheran einwirken, wie dies Sarkozy fordert.

Doch einen Versuch ist es sicherlich wert. Sogar die USA haben vorsichtige Unterstützung für Sarkozys Schachzug signalisiert. Der französische Präsident darf sich schon jetzt als Gewinner fühlen. Der als Prestigeprojekt verlachte Mittelmeergipfel hat Frankreich und Europa zurück auf die Weltbühne katapultiert.

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