Mobilfunk
Der rote Faden

Oft sieht eine Strategie erst im Rückblick so richtig rund aus. Wie jetzt bei Vodafone. Vor kurzem noch schien es so, als habe der größte Mobilfunkanbieter außerhalb Chinas die Orientierung verloren. Weltweite Präsenz als Ziel hatte ausgedient.

Auf Druck der Aktionäre hatte sich die Führung von der problematischen japanischen Tochter getrennt. Auch Schweden und Minderheitsanteile in Belgien und der Schweiz gingen über Bord. Nur noch Shareholder-Value war Trumpf. In der seltsamen Konzernsparte Emapa sammelten sich Wachstumsträger wie die Türkei und Osteuropa sowie unattraktive Minderheitsbeteiligungen. Doch dann kam die unverhoffte Chance, einen der großen Anbieter auf dem wachstumsstärksten Mobilfunkmarkt der Welt zu kaufen. Und Vodafone griff beherzt zu. Die Übernahme in Indien, von der Konzernchef Arun Sarin gestern offen zugab, dass sie vor vier Monaten niemand absehen konnte, lässt plötzlich einen roten Faden in der Strategie aufscheinen. Die Verkäufe in Europa und der Kauf von Hutch Essar bedeuten zusammengenommen, dass Vodafone für nicht einmal fünf Milliarden Euro die Gewichte im Konzern deutlich vom saturierten Westeuropa in expansive Schwellenländer verschoben hat. Ein Drittel des Gewinns wird künftig aus dem Emapa-Sortiment kommen. Das muss Sarin erst einmal einer nachmachen.

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ie aufstrebenden Schwellenländer formen viele Märkte neu, auch den Mobilfunkmarkt. Doch Europa hat gute Aussichten, mit mobilen Internet-Angeboten und Konvergenzprodukten aus Handy und Festnetz das Zukunftslabor der mobilen Technologie zu bleiben. Für Vodafone birgt das die Chance, mobile Angebote Gewinn bringend auf große neue Märkte wie Indien zu exportieren.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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