Mobilfunk-Pläne
Kommentar: Was würde Google tun?

What would Google do? Was würde Google tun? Oder kurz: WWGD? Diese, meint der renommierte amerikanische Medienberater Jeff Jarvis, sollten sich alle Unternehmen fragen, planen sie neue Projekte, egal ob im Internet oder in der nicht-digitalen Welt. In der Tat hat Google wie kein anderes Unternehmen verstanden, wie sich die Wirtschaft durch das Internet verändert.

Nicht mehr plattes Kopieren oder das Verstopfen von Märkten ist die Erfolg versprechende Reaktion auf Konkurrenten und deren Produkte - sondern ein geradezu Judo-artiges Aushebeln. Innerhalb einer Woche hat Google das gleich bei zwei aufstrebenden Gegner im Kampf um die Vorherrschaft im Internet elegant vorgeführt: Erst Facebook, dann Nokia.

Der eine schien auf dem Weg, von einem sozialen Netzwerk zu einer Seite zu werden, auf der die Nutzer alle ihre Netz-Aktivitäten vereinigen. Der andere war wie kein anderer Handyhersteller und auch kein Mobilfunkanbieter auf dem Weg, das fortschrittlichste Unternehmen in Sachen mobiles Web zu werden. Beide Google-Gegner aber setzten auf geschlossene Systeme und Exklusivität.

So schließt Nokia exklusive Partnerschaften ab: Wer zum Beispiel mobil bloggen will, bekommt fest eingestellt nur eine Blog-Anbieter offeriert. Google Gegenmittel ist die Offenheit: Sowohl bei der Sozial-Netzwerk-Schnittstelle Open Social als auch nun bei Android tut sich der Web-Riese mit anderen Unternehmen zusammen um eine Plattform zu gründen, die allen offen steht: allen Anbietern, allen Programmierern, allen Nutzern.

Auch wenn noch offen ist, ob Android tatsächlich zum Erfolg wird, so stellt Googles grundsätzliches Vorgenen manche Management-Weisheit auf den Kopf. Früher taten Unternehmen alles, um ihr Wissen geheim zu halten. Wer aber im Internet gewinnen will, muss sich öffnen, muss Wissen teilen um dann gemeinsam mit anderen zu profitieren. Das müssen die Entscheider in der Wirtschaft im Kopf behalten, denken sie über neue Projekte nach. Und sie sollten sich immer wieder fragen: WWGD – what would Google do?

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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