Mobilfunk
Vorbild

  • 0

Andere Branchen tun sich schwer damit, doch die Mobilfunk-Betreiber können es: die Trennung zwischen Netz und Dienstleistung. Noch wehren sich vor allem die Stromkonzerne mit Händen und Füßen dagegen, dass sie die Verteilung des Stroms – ihr Netz also – aufgeben und in ein abgetrenntes neues Unternehmen übertragen sollen. Sie wollen den von ihnen selbst produzierten Strom auch weiterhin über eigene Leitungen verteilen.

Bei den Stromkonzernen würde sich in dieser Frage von selbst nichts ändern. Nur auf Druck von außen hin zeichnet sich jetzt eine Veränderung ab: Die EU-Kommission in Brüssel drängt mit aller Macht darauf, dass es doch noch zur Trennung von Netz und Produktion kommt.

Erstaunlich ist nun, dass es andere frühere Monopolunternehmen gibt, die von sich aus auf den eigenen Netzbetrieb verzichten könnten. Ad Scheepbouwer, Chef des niederländischen Telekommunikationskonzerns KPN, kann sich vorstellen, komplett auf das eigene Mobilfunknetz zu verzichten. Er würde es an einen außenstehenden Dienstleister abgeben und die Übertragungsdienste dann nach Bedarf dort einkaufen.

Die Mobilfunkbranche ist also ein Beispiel dafür, dass es sehr wohl gute Argumente für eine Trennung von Netz und Produktion gibt. Bei KPN & Co. ist nicht einmal der Druck von einer Aufsichtsbehörde nötig, es geht freiwillig. Der Kostendruck treibt die Branche, ein Dienstleister kann um einiges billiger sein und kostengünstiger arbeiten.

Die zähen Verteidiger von Netzmonopolen wie etwa in der Strombranche oder auch bei der Bahn sollten sich die Entwicklungen in der Telekommunikation sehr genau anschauen: Wenn die EU die Abtrennung der Netze erzwingen sollte, muss die Welt nicht zusammenbrechen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Mobilfunk: Vorbild"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%