Morgan Stanley
Kommentar: Unter Verdacht

Jetzt also auch Morgan Stanley. Innerhalb einer Woche hat die Aktie der fünftgrößten US-Bank 70 Prozent an Wert verloren. Angesichts des Schicksals von Lehman Brothers kann einem da wirklich Angst und Bange werden. Allerdings gibt es zwei gute Gründe, warum Morgan Stanley das Schicksal des gestrauchelten Konkurrenten erspart bleiben dürfte.
  • 0

NEW YORK. Zum einen sehen die Bilanz, die Liquidität und die Ergebnissituation des Wall-Street-Hauses noch immer solide aus. Fundamentale Ursachen für den Ausverkauf gibt es zumindest auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen keine. Wieder einmal handelt es sich um eine reine Vertrauenskrise, aber das ist in diesen Zeiten schon schlimm genug. Zum zweiten, und das ist der wichtigere Grund, kann sich die Finanzwelt einen zweiten Fall Lehman schlicht nicht leisten, zumal Morgan Stanley noch einmal eine Klasse höher spielt als der kollabierte Wettbewerber.

Inzwischen ist klar, dass die Entscheidung von US-Finanzminister Hank Paulson Lehman in die Pleite rutschen zu lassen, ein großer Fehler war. Paulson Absicht klar zu stellen, dass nicht jede Bank, die sich verzockt hat am Ende vom Steuerzahlern gerettet wird, ist zwar durchaus ehrenwert, aber der Preis dafür ist zu hoch. Im historichen Rückblick wird die Lehman-Pleite vielleicht als entscheidender Wendepunkt in der Kreditkrise in die Finanzgeschichte eingehen. Denn mit dem Kollaps der Investmentbank verschwand der letzte Rest von Vertrauen aus dem Finanzsystem.

Was aber wird mit Morgan Stanley jetzt geschehen? Die Bank hofft auf eine Kapitalspritze im Wert von neun Mrd. Dollar von der japanischen Großbank Mitsubishi UFJ. Die soll dafür im Gegenzug eine Beteiligung von 20 Prozent bekommen. Das Problem ist nur, dass Mitsubishi für neun Milliarden mittlerweile Morgan Stanley fast komplett übernehmen könnte. Dass die Japaner sich ganz aus dem Deal verabschieden, und damit das Gesicht verlieren, ist unwahrscheinlich. Aber eine Beteiligung zu den aktuellen Konditionen wäre ebenfalls mehr als merkwürdig. Vielleicht übernimmt Mitsubishi ja einfach mehr Anteile, vielleicht sogar die Mehrheit, oder es findet sich ein anderer Retter. Im absoluten Notfall wird aller Wahrscheinlichkeit nach die US-Regierung mit Kapitalhilfen einspringen. Niemand weiß besser als Finanzminister Paulson, dass Morgan Stanley nicht den Weg von Lehman Brothers gehen darf.

Kommentare zu " Morgan Stanley: Kommentar: Unter Verdacht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%