Münchener Rück
Aufregend altmodisch

Unter den im Deutschen Aktienindex versammelten Unternehmen gilt die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft von 1880 nicht gerade als eine der aufregenden.

Das ist in vielerlei Hinsicht ein Vorurteil, wie sich gestern wieder einmal gezeigt hat. Vordergründig sind da ein gewaltig angestiegener Gewinn, ein historisch zu nennender Aktienrückkauf und die nochmalige Erhöhung der Dividende.

Gewiss ist dies auch das Ergebnis der Wetterkapriolen. Die Hurrikan-Saison ist so gut wie ausgefallen, das tut vielen Versicherern gut, den Rückversicherern ganz besonders. Doch bei der Münchener Rück steckt mehr dahinter als pures Glück. Kaum ein anderes Unternehmen hat in jüngster Zeit so klar Kurs gehalten und sich dabei seinen Renditezielen verschrieben. Und bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Münchener Rück wie kaum eine zweite deutsche Firma dabei Tradition bewahrt hat – mag die Konkurrenz auch darüber lächeln und von der „alten Tante“ faseln.

Früher einmal war die Gesellschaft eine der Großmächte der Deutschland AG. Dann schoss sie über ihr Ziel hinaus, kaufte groß in Amerika ein – und fiel auf die Nase. Die Konsequenz ist nun ein Kurs, für den der Begriff der Nachhaltigkeit angebracht ist. Intern wird bedächtig, doch konsequent umgebaut und, wo nötig, gespart. Im Geschäft aber zeichnet man nur das Risiko, das man selbst vertritt. Dafür ist man bereit, notfalls auch alte Kundenbeziehungen zu opfern. Diesen Kurs fährt Konzernchef Nikolaus von Bomhard konsequent und diszipliniert. Viele hätten gern noch höhere Rendite und wieder Wachstum im Kerngeschäft. Die Münchener aber verweigern sich dem Druck und setzen auf strikte Risikokontrolle. So haben sie geschafft, wovon viele nur träumen: Aus noch etwas weniger noch etwas mehr zu machen.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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