Muslime
Kommentar: Ende der Illusionen

Wie werden aus fröhlichen jungen Cricketspielern vier Dschihadisten, die an einem schönen Sommertag von Leeds nach London reisen und 52 Menschen mit in den Tod reißen? Dies müssen die Briten nun verstehen, und sie werden sich schwer damit tun.

mth DÜSSELDORF. Nicht nur ihr Konzept einer multikulturellen Gesellschaft steht auf dem Spiel, das Raum für Mischidentitäten wie „britische Muslime“ schaffen soll. Auf dem Prüfstand stehen auch die fast zwei Millionen Muslime selbst, die Großbritannien zu ihrer Heimat gemacht haben.

Tony Blair war gestern wieder schnell bei der Hand mit seiner Versicherung, die Tat von London, die Hassprediger, die Verherrlichung des „Märtyrertodes“, alles habe nichts mit dem wahren, friedlichen Islam zu tun. Er muss dies sagen, denn der Bürgerfriede steht auf dem Spiel. Jeder Ziegelstein, der nun gegen eine Moschee geworfen werde, sei ein Sieg für Osama bin Laden, warnte die „Sun“. Alle Briten wollen, dass der Wunsch des jungen Muslimabgeordneten Shahid Malik in Erfüllung geht und die Selbstmordbomber das Land nicht spalten, sondern zusammenbringen.

Aber nun wollen die Briten das endlich auch von den Muslimen hören. Die schönen Worte über die friedliche Natur des Islams, denen dann gleich die „Wenn“ und „Aber“ über die Unterdrückung der Muslime in der Welt hinterhergeschickt werden, reichen nicht mehr. Zu oft wurde die klare Linie zwischen Erklärung und Rechtfertigung verwischt. Mag solche Eindeutigkeit Muslimen schwer fallen, die über die Bombenangriffe auf den Irak und das Unrecht gegen die Palästinenser empört sind. Wir brauchen sie, denn sie ist die Grundlage unseres Zusammenlebens, überall in Europa. Es sind die Muslime, die bei der Bekämpfung dieses Terrorismus an vorderster Front stehen müssen.

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