Myanmar
Im Gulag

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Die vage Hoffnung trügt: Die Myanmar seit vier Dekaden beherrschende Militärjunta hat aus den blutigen Massakern des Jahres 1988 wohl keine Lehren gezogen. Keine positiven jedenfalls. Denn der makabere Versuch, die Zahl der bei den aktuellen Demonstrationen bislang zu beklagenden Opfer mit jenem in die Tausende gehenden Blutzoll von damals zu vergleichen, würde in die Irre führen: Auch vor dem Gemetzel des Jahres 1988 warteten die Generäle immerhin rund ein Jahr lang, bevor sie dann doch ihre Schergen losschickten gegen Bürger, die sich für ein Minimum an Freiheit und verbessertem Lebensstandard einsetzten. Auch das Argument, damals seien es meist Studenten gewesen, die gegen Repression und Mangelwirtschaft aufbegehrten, heute dagegen buddhistische Mönche, die im Volk hohe Reputation genießen, berechtigt nicht zur Zuversicht. Seit Jahren können es sich die Diktatoren leisten, die 1991 mit dem Friedensnobelpreis geehrte Aung San Suu Kyi vor die Alternative zu stellen, entweder im Kerker zu schmachten oder sich im Hausarrest in erzwungenem Schweigen zu üben. Warum sollten sie nun vor den Mönchen kuschen?

Der internationale Protest, so laut er auch intoniert werden mag, wird allzu rasch verhallen, das lehrt die Erfahrung. Und die vor rund zehn Jahren verhängten Wirtschaftssanktionen konnten die Menschenrechtssituation bislang um keinen Deut verbessern. Zweifel müssen auch gehegt werden, ob Chinas Regierung, die den Machthabern in Myanmar bislang den Rücken deckt, gewillt sein wird, eine Eskalation der Brutalität zu verhindern. Erst im Januar dieses Jahres sollte die Uno die Generäle auffordern, den Gulag ein wenig zu öffnen. Eine entsprechende Resolution scheiterte – am Widerspruch Chinas und Russlands.

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