Nach dem Tod von Johannes Paul II.
Der globale Nachfolger

Die Schuhe des Fischers sind weit geworden. Johannes Paul II. hat der katholischen Kirche ein so hohes moralisches Gewicht in der Weltgemeinschaft verschafft, dass einem für den Nachfolger bange werden kann. Solche Autorität bei den Staatenlenkern, derart viel Sympathie bei den Menschen und Respekt bei den anderen Weltreligionen sind die Frucht langen Wirkens und schwer zu erringen. Dennoch ist der neue Papst geradezu verurteilt dazu, im Schuhwerk seines Vorgängers weiterzugehen.

Denn die Völker der Welt brauchen die katholische Kirche als Instanz. Während die einzige andere wirklich globale Institution, nämlich die Uno, Mühe hat, Missstände im Widerstreit der Interessen zu benennen, ist die Papstkirche durch ihre zentrale Verfasstheit dazu befähigt. Johannes Paul hat das genutzt, und sein Nachfolger wird diese weltweit einzigartige Chance zu klaren Botschaften in einer medial noch nie so zugänglichen Welt ebenfalls ergreifen müssen – für die Wahrung der Menschenrechte, die Eindämmung von Konflikten und die Anprangerung von Unrecht.

Im Gegensatz zur Uno versammelt die katholische Kirche darüber hinaus eine eigene Hausmacht hinter sich. Der Stellvertreter Christi spricht für mehr als ein Sechstel der Weltbevölkerung. Mit steigender Tendenz, denn die Zahl der Menschen wächst besonders dort, wo auch der Katholizismus stark ist: in Lateinamerika, Asien, Afrika. Die Kraft religiöser Führerschaft gerade für Staaten mit junger und stark zunehmender Bevölkerung ist für die muslimisch geprägten Länder des Nahen und Mittleren Ostens erst in jüngster Zeit überdeutlich geworden.

Die katholische Kirche der Zukunft wird die Anwältin der Entwicklungsländer werden, wo sich die Bevölkerung bis 2050 teilweise verdreifachen wird. Ein Ausgleich der Interessen zwischen unterentwickelten Ländern und Industrienationen wird das zentrale Gebot der bevorstehenden Jahrzehnte sein, gleichzeitig die wichtigste Voraussetzung für den Friedenserhalt. Ein kluger neuer Pontifex, vielleicht ja sogar aus Lateinamerika oder Afrika, wird dies zu seiner Mission machen.

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