Nach dem TV-Duell
Demoskopen sehen keine SPD-Trendwende

Führende deutsche Meinungsforscher sehen trotz des Punktsiegs von Bundeskanzler Gerhard Schröder beim TV-Duell gegen seine Herausforderin Angela Merkel keine Trendwende für die SPD.

HB BERLIN. Emnid-Geschäftsführer Klaus-Peter Schöppner sagte: "Wenn man einer Partei einen Effekt auf die Wahlabsicht unterstellen will, dann eher der Union". Deren Kanzlerkandidatin Merkel habe aus Sicht jedes zweiten Zuschauers besser abgeschnitten als erwartet. Schröder habe hingegen bei den meisten Zuschauern schon im Vorfeld als der bessere Kommunikator und als telegener gegolten. Dieser seit langem bekannte "Kanzler-Bonus" habe sich durch das TV-Streitgespräch "ein bisschen relativiert".

Forsa-Chef Manfred Güllner meinte, Schröder sei aus Sicht der Zuschauer bei Sympathie und staatsmännischer Ausstrahlung überlegen gewsen, was ihm in Umfragen nach der TV-Debatte letztlich den Gesamtsieg eingetragen habe. Jedoch würden allenfalls einige Unentschlossene zur SPD zurückkehren. Davon könne die Partei unter dem Strich leicht profitieren. "Aber für eine Trendwende, für einen richtigen Schub wird es nicht reichen", sagte Güllner.

Der Chef des Instituts Infratest Dimap, Richard Hilmer, ist der gleichen Meinung. Er sagte, gerade für die unsicheren Wähler sei das Duell eine willkommene Gelegenheit gewesen, sich zu orientieren. Bei ihnen habe es nach ersten Trends eine leichte Bewegung in Richtung Schröder und SPD gegeben. "Es bewegt sich immer noch was", versicherte Hilmer. Allerdings sei es kaum vorstellbar, dass die SPD den Abstand von zehn Punkten noch aufholen könne. Nach Ansicht Schöppners ist die Lage für die SPD trotz der leichten Verbesserung in jüngsten Umfragen weiterhin schlecht. "Sie gewinnt keine Wähler aus dem gegnerischen Lager hinzu, sondern sie profitiert von einer Schwächung der Linkspartei und einer Schwächung der Grünen".

Forsa sieht Grüne wieder vor FDP

Unterdessen veröffentlichte Forsa das Ergebnis seiner jüngsten Umfrage, die allerdings vor dem TV-Duell erhoben worden war. Vor einger Woche hatte Forsa als erstes und bisher einziges Institut einen 1-Punkte-Vorsprung der FDP vor den Grünen ausgemacht; in dieser Woche liegen beide Parteien wieder gleichauf bei sieben Prozent. Die SPD konnte ihren Aufwärtstrend fortsetzen und machten einen Punkt auf 31 Punkte gut. CDU und CSU konnten ihren Stimmenanteil bei 43 Prozent halten. Zulegen konnte in der vom 29. August bis 2. September erhobenen Umfrage die Linkspartei, die nun bei neun Prozent liegt.

Die SPD hatte auch in allen anderen Umfragen in den vergangenen Wochen leicht zugelegt. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte in den vergangenen Tagen trotz niedriger Umfragewerte für die SPD Siegeszuversicht demonstriert und diese damit begründet, er werde eine Mehrheit der noch großen Zahl der unentschlossenen Wähler überzeugen können.

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