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Nach oben ist noch Luft

Der Dax kratzt an der Marke von 7 000 – geht es weiter aufwärts, oder steht der Absturz bevor?

Statistisch gesehen, muss es runtergehen. Denn auf vier sehr erfolgreiche Aktienjahre folgte fast nie ein fünftes. Wenn doch, stürzten die Kurse anschließend ab wie nach der Jahrtausendwende. Doch Statistiken taugen dazu, widerlegt zu werden. Fundamental betrachtet, ist unser Börsenbarometer bei einem Stand von fast 7 000 Punkten immer noch niedrig bewertet, trotz Verdreifachung in nur vier Jahren.

Wären deutsche Aktien „fair“ bewertet, kosteten sie das 15fache ihres erwarteten Jahresgewinns, wie es dem Mittel der letzten 50 Jahre entspricht. Daran gemessen, müsste der Deutsche Aktienindex noch um gut 1 000 Punkte zulegen. Er stünde dann, absolut gesehen, so hoch wie auf dem Gipfel der Euphorie im Technologieboom zur Jahrtausendwende. Doch wären die Aktien nicht „fair“, sondern so übertrieben bewertet wie damals, entspräche das einem Niveau von 14 000 Dax-Zählern.

Hinter den Unterschieden zwischen einst und heute stehen die seit Jahren kräftig steigenden Unternehmensgewinne. Weil die Weltwirtschaft seit Jahren boomt, Deutschland als Exportweltmeister davon besonders profitiert und heimische Konzerne sich den Bedingungen der Globalisierung anpassen, indem sie ihre Produktion straffen und Kosten senken, verdienen die Dax-Firmen heute 75 Prozent mehr als im Boomjahr 2000.

Heißt das freie Bahn für steigende Kurse? Nicht unbedingt. Niemand weiß, ob und wann Aktien ihre „faire“ Bewertung tatsächlich erreichen. Nach einem solch dramatischen Börsenabsturz wie 2003 sind lange Phasen mit niedrigen Notierungen durchaus die Regel. Schließlich sind viele Anleger immer noch verunsichert und trauen sich aus Angst vor neuerlichen Verlusten nicht an den Markt. Das Motto „Raus aus Aktien, sobald die Einstiegskurse erreicht sind“ ist unter heimischen Privatanlegern weit verbreitet.

Fazit: Die Börsen sind trotz ihrer fast vierjährigen Rally eher unter- als überbewertet. Nach der beispiellosen Talfahrt, die den Dax bis Frühjahr 2003 drei Viertel seines Wertes gekostet hat, kehrten die Märkte lediglich zur Normalität zurück. Die Kurse folgen den steigenden Firmengewinnen. Die sind selbst nach drei Rekordjahren in Folge noch nicht ausgereizt, sondern dürften auch 2007 in Deutschland wieder um zehn Prozent zulegen. Das ist mehr als im Rest Europas und in den USA und erklärt, warum sich vor allem ausländische Investoren für deutsche Aktien interessieren.

Den heimischen Gewinnboom prägen in diesem Jahr Tanker wie Siemens, Volkswagen und Daimler-Chrysler. Sie stehen erst am Beginn großer Restrukturierungen samt Kostensenkungen. Ihre im internationalen Maßstab immer noch mickrigen Renditen beginnen zu steigen, verheißen aber noch viel Potenzial. Gemessen an Wettbewerbern wie General Electric und Toyota, ist die Ausgangsbasis viel niedriger. Das kommt deutschen Aktienkursen jetzt zugute. Denn an der Börse gilt schon immer die Devise: Wer bereits oben steht, hat weniger Potenzial als seine Herausforderer.

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