Nach Problemen in den 90er-Jahren
Comeback: Japans Banken als Krisengewinnler

Japan ist wieder da. Die Banken des fernöstlichen Inselreichs kaufen sich in angeschlagene Finanzinstitute ein, als hätte es ihre eigene Krise in den 90er-Jahren nie gegeben.

Es ist absehbar, dass der Finanzplatz Tokio als Gewinner der Krise um verbriefte Hypothekenkredite dastehen wird, wenn wieder Ruhe einkehrt.

Das Wertpapierhaus Nomura unter seinem ehrgeizigen Chef Kenichi Watanabe brauchte beispielsweise nur einen kleinen Teil seiner flüssigen Mittel, um sich sowohl das Asien- als auch das Europageschäft der Investmentbank Lehman Brothers zu sichern. Selbstbewusst verkündete gestern der Präsident des japanischen Bankenverbandes, seine Mitglieder seien von der Wall-Street-Krise kaum betroffen. Andere Stimmen warnen zwar vor allerlei versteckten Risiken. Doch die großen US-Namen sind dermaßen billig zu haben, dass die Japaner kaum etwas falsch machen können.

Ursache für die Stärke der Japaner ist ihre gerade erst überwundene Schwäche. Nach dem Platzen einer Investitionsblase standen bei sämtlichen Banken ab 1990 die Bilanzen unter Wasser - genau wie heute bei der Konkurrenz in den USA. Eine weitere Parallele: Nur das großzügige Eingreifen des Staates rettete die Lage einigermaßen. Die Aufräumarbeiten dauerten exakt bis Frühjahr 2007. Zu dieser Zeit konnten praktisch alle größeren Institute verkünden, wieder über eine niedrige Quote an faulen Krediten und reichlich Eigenkapital zu verfügen. Die Darlehen des Staates waren praktisch zurückgezahlt.

Wenn ihre Bilanzen unter Wasser stehen, gehen Banker keine zusätzlichen Risiken ein. Die japanischen Institute kauften auf eigene Rechnung nur, was sicher und verständlich war. Sie verliehen Geld nur an den, der es zurückzahlen konnte. International wurden die Institute belächelt. Sie hatten ihre stolzen Akquisitionen in Übersee aus den 80er-Jahren abstoßen müssen. Selbst an wichtigen Standorten unterhielten sie nur kleinere Büros. Durch eine lange Kette von Fusionen entstanden zwar Spieler mit riesigen Bilanzsummen. Weil sich Mitsubishi UFJ, Sumitomo Mitsui und Mizuho jedoch auf eher simple Instrumente der Finanzwelt beschränkten, haben sie bis heute den Ruf, keine sonderlich raffinierten Investmentbanken zu sein.

Die mangelnde Raffinesse war jedoch ihre Rettung. Weil die Japaner keine hohen Risiken eingingen, ließen sie auch die Finger von Hypothekenderivaten. Nomura mischte zwar über seine New Yorker Filiale in dem Geschäft mit und hat sich dadurch einen Verlust eingefangen. Das Engagement hielt sich aber in gut beherrschbarer Größe.

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