Nachgefragt: Uli Holdenried
„Wettbewerbsfähigkeit wichtiger als Konjunktur“

Im Vorfeld der Cebit sprach das Handelsblatt mit dem HP-Deutschland-Chef Uli Holdenried über die Job-Aussichten bei dem Computer-Hersteller, Produktionsverlagerungen nach Osteuropa sowie das Verhältnis zur Konzernmutter.

Stellt HP Deutschland zurzeit Mitarbeiter ein?

Ja und nein, wir haben heute 9600 Mitarbeiter in Deutschland, das sind 2100 mehr als noch vor gut einem Jahr. Der Zuwachs resultiert aus der Übernahme von Triaton und verschiedenen IT Outsourcing - Verträgen. HP Deutschland ist mit 2500 Mitarbeitern in europäischen Funktionen sehr international aufgestellt. Extern sind zurzeit 70 offene Stellen ausgeschrieben. Bis zum Jahresende aber werden wir 350 Stellen weniger als heute haben.

Woran liegt es?

In Nordrhein-Westfalen werden wir unsere Geschäftsstellen konsolidieren. Das betrifft 160 Mitarbeiter der HP Geschäftsstelle in Köln, die im Laufe des Jahres geschlossen wird. Darüber hinaus werden wir bei Neueinstellungen eine deutliche Zurückhaltung üben. Wir überprüfen kontinuierlich unsere Kostenstrukturen und müssen wie andere Unternehmen die Produktivität steigern, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Und wie verteidigen Sie als Deutschlandchef den Standort Deutschland gegenüber der Konzernmutter?

Zunächst einmal ist HP Deutschland eine der größten Konzerntöchter weltweit und wird es auch bleiben. Das Pfund mit dem Deutschland vor allem wuchern kann, sind die Marktchancen. Wir würden stärker investieren, wenn die Binnennachfrage anspringt - also Konsumenten und Unternehmen wieder mehr investieren. Das würde dem Standort Deutschland kurzfristig helfen. Langfristig aber kommen wir alle nicht darum herum, in Deutschland wettbewerbsfähiger zu werden. Ich halte die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit für viel wichtiger als Programme zur Konjunkturbelebung. Bei meinen Gesprächen mit deutschen Politikern habe ich hierzu viele unterschiedliche Antworten gehört.

Immer mehr Unternehmen verlagern die Produktion nach Osteuropa und auch die US-Unternehmen tun das, laut Studie, vermehrt. Was können Sie für den Standort Deutschland tun?

Das Thema Produktion wird aus traditionellen Gründen zu stark betont. Verwaltung und Services sind ebenso wichtig - und im Prinzip ebenso von Abwanderung bedroht. Bei uns hatten wir bisher mit dem großen Anteil unserer internationalen Aufgaben de facto eine Einwanderung nach Deutschland. HP ist in Osteuropa die Nummer 1 in den allermeisten Ländern, dort sind einige Märkte sogar stärker als in Deutschland. Es gibt dort Kostenvorteile, vor allem aber mehr Flexibilität im System. Wichtig ist, dass wir die Stärken der Standorte nutzen und ausbauen, das gilt auch für die Wirtschaftskraft in Deutschland. Unsere Akquisition von Triaton 2004 im Umfang von 340 Mill. Dollar ist eine Investition in den Standort Deutschland. Zurzeit haben wir keine unmittelbaren Pläne zur Verlagerung von Kompetenzzentren. Andererseits hat sich unser Planungshorizont deutlich verkürzt.

Die Fragen stellte Anja Müller.

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