Naher Osten
Gezielter Keil

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Geht doch noch etwas im nahöstlichen Friedensprozess? Die Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern stocken, aber im Libanon einigen sich die Parteien überraschend schnell auf eine gemeinsame Regierung, und in Istanbul nehmen Jerusalem und Damaskus Fühlung auf. Alles hat mit allem zu tun, und irgendwie sind die Amerikaner an allem beteiligt, wenn auch nicht immer direkt und nicht allein. Dass Israel und Syrien Gespräche einleiten und dass Hisbollah-Milizen und die Regierung Fuad Sinioras einen Pakt eingehen, dürfte jedefalls kaum ohne Einwilligung der USA geschehen sein.

Amerikaner und Israelis sind gleichermaßen daran interessiert, einen wirksamen Keil in die Allianz zwischen Syrien und Iran zu treiben. Denn nur wenn die aus Iran – und Syrien – gesteuerte Hisbollah dem Terror abschwört und in deren Gefolge auch die Hamas in Gaza an einer Friedenslösung mitarbeitet, gelingt eventuell der ganz große Wurf. Doch noch ist sich die US-Regierung nicht so ganz einig, ob man Syrien lieber isolieren oder engagieren soll. Setzen sich aber die Tauben in Washington durch, dann werden den ersten, tastenden Annäherungen schon bald konkrete Verhandlungen folgen. Und dabei geht es gleich um den Kern des Konflikts: die Golan-Höhen.

Bislang war es aus strategischen Gründen kaum vorstellbar, dass Israel den seit 1967 okkupierten Höhenzug wieder preisgibt. Aber wenn Syrien tatsächlich aus der „Achse der Bösen“ ausschert, sich glaubwürdig um einen belastbaren Frieden bemüht, dann könnte Israel sogar bereit sein, einen solch hohen Preis zu zahlen. Ob das geschieht, hängt nicht nur vom Willen der Beteiligten ab, sondern auch vom Vermittlungsgeschick der Türkei. Sie zeigt in dieser Lage, welch eine bedeutende Rolle sie in der Region zu spielen vermag. Auch das ist eine wichtige Erkenntnis.

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