Naher Osten
Schizophrene Hamas

Die von der Hamas gestellte neue palästinensische Autonomieverwaltung bezeichnet den jüngsten Terroranschlag in Tel Aviv als Akt der Selbstverteidigung. Eine solche Äußerung ist natürlich absurd. Doch diese Feststellung beantwortet noch nicht die Frage, warum die Hamas eine solche Vokabel wählt.

Klar, von den Fundamentalisten im Westjordanland und im Gazastreifen ist man eine derart extrem martialische Rhetorik seit Jahr und Tag gewohnt. Die Parolen, mit denen die Zerstörung des israelischen Staates und die Ausrottung des Zionismus propagiert werden, klingen schrill wie eh und je.

Dennoch muss man der demokratisch gewählten Hamas-Regierung Schizophrenie attestieren. Schließlich haben sich zu den jüngsten Morden der Dschihad und die Al-Aksa-Brigaden der Fatah bekannt. Die Hamas selbst hat dagegen seit rund zwei Jahren keine Anschläge mehr verübt. Sie predigt zwar nach wie vor Hass und steht deshalb zu Recht auf der Liste der internationalen Terrororganisationen. Aber trotz ihrer aggressiven Verbalakrobatik agiert sie im politischen Alltagsgeschäft jüngst eher rational und pragmatisch.

Dies fällt ihr nicht leicht. Denn trotz ihres Sieges bei der jüngsten Parlamentswahl ist die Position der Hamas in den Autonomiegebieten noch keineswegs so gefestigt, wie es die Mehrheit der Mandate suggeriert. Die Mehrheit der Wähler hat sie nicht erreicht. Und der Umbau der Verwaltung ist über das Anfangsstadium kaum hinausgekommen. Die Beamten der bisher von der Fatah-Partei gestellten Regierung, für die Korruption und Vetternwirtschaft alles andere als Fremdwörter sind, verteidigen zäh ihre Pfründe.

Vor allem aber: Die insbesondere von der Europäischen Union und von den USA angekündigte totale Isolierung macht der Hamas ganz sicher mehr zu schaffen, als sie zugeben will. Dabei geht es in allererster Linie um die finanzielle Unterstützung der Autonomiebehörde. Die EU hat bislang den Löwenanteil zur Besoldung der Beamten beigesteuert. Sollten diese Mittel denn tatsächlich auf längere Zeit verweigert werden, dürfte die Hamas einen großen Teil ihres Renommees einbüßen.

Ihre Wahl war nicht nur ein massiver Protest der palästinensischen Bürger gegen die Misswirtschaft der Fatah. Die Hamas wurde auch gewählt, weil sie sich seit Jahren mit breit gefächerten Sozialprogrammen engagiert. Und weil sie im eigenen Land als politisch integer gilt. Doch ohne Geld könnte ihr rasch ein nachhaltiger Imageverlust drohen.

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