Nahost-Analyse
Fatale Parallelen

Libanesen und Israelis müssen das Gefühl haben, dass es in der Geschichte keinen Fortschritt gibt. Die Erinnerungen an die israelische Invasion Libanons von 1982 sind lebendig, die Parallelen erstaunlich und die Folgen bis heute spürbar. Allerdings nicht unbedingt mit den erhofften Ergebnissen.

Libanesen und Israelis müssen das Gefühl haben, dass es in der Geschichte keinen Fortschritt gibt. Die Erinnerungen an die israelische Invasion Libanons von 1982 sind lebendig, die Parallelen erstaunlich und die Folgen bis heute spürbar. Allerdings nicht unbedingt mit den erhofften Ergebnissen.

1982 marschierte Israel in der Operation „Frieden für Galiläa“ in den Libanon ein. Auslöser der vom damaligen Verteidigungsminister Ariel Scharon geleiteten Aktion waren ein Anschlag auf den israelischen Botschafter in London und der Beschuss Nordisraels durch die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO, die im Libanon einen Staat im Staate bildete. 2006 reagierte Israel mit der Bombardierung Libanons und einer Bodenoffensive auf die Entführung von zwei israelischen Soldaten durch die Hisbollah. Ziel war es, den Beschuss Nordisraels durch die Miliz zu beenden, die seit dem Bürgerkrieg den Süden Libanons kontrolliert.

In beiden Fällen hatte Israel die Rückendeckung der USA. 1982 erhoffte sich Präsident Reagan die Zerstörung der PLO und damit eine Schwächung Syriens, das von der Sowjetunion unterstützt wurde. 2006 hoffte die Bush-Regierung auf eine Schwächung der Hisbollah und damit deren Unterstützerregime Syrien und Iran. In beiden Kriegen gab es hohe zivile Opferzahlen und enorme Zerstörung. Doch hier scheinen die Parallelen zu enden: 1982 feierte Israel mit dem Abzug der palästinensischen Kämpfer aus Libanon einen begrenzten militärischen Erfolg.

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Die Hisbollah zu vertreiben oder zu zerstören ist unmöglich. Die Organisation hat im Gegensatz zur PLO 1982 den Rückhalt weiter Teile der libanesischen Bevölkerung, ist im Parlament vertreten und stellt zwei Minister. Sollte es gelingen, die Uno-Resolution 1701 umzusetzen, wäre dies ein Sieg Israels. Denn die libanesische Armee und die Uno-Friedenstruppe würden den Südlibanon kontrollieren und die Hisbollah samt Raketen in den Norden abdrängen.

Allerdings sollte dies nicht davon ablenken, dass politisch viel Schaden angerichtet wurde. Auch das ist eine Lehre aus der Invasion von 1982: Der Feldzug und die anschließende Besatzung weiter Teile Libanons bis 1985 sowie die Errichtung einer „Sicherheitszone“ im Süden, die erst 2000 aufgegeben wurde, haben erst zur Gründung der Hisbollah geführt.

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