NAHOST
Erste Erkenntnis

Allein schon das Zustandekommen dieses Besuchs verdient Aufmerksamkeit: Am Wochenende ist der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad nach Saudi-Arabien gereist.

Die beiden Länder sind die wichtigsten Spieler in der Krisenregion Naher Osten: Iran als Vormacht der Schiiten, Saudi-Arabien als Schutzmacht der Sunniten. Beide nehmen direkt oder indirekt Einfluss auf die Politik der USA in der kriegsmüden Region.

Noch vor wenigen Tagen schien Ahmadinedschads Staatsbesuch bei den Saudis undenkbar. Die Scheichs hatten sogar gedroht, im Irak militärisch zu intervenieren, sollte Iran seine arabisch-schiitischen Glaubensbrüder im Zweistromland mit Waffen, Logistik und Aufklärern weiter unterstützen. Nun also das Treffen von Ahmadinedschad mit dem saudischen König Abdullah und die Feststellung dabei, dass die größte Gefahr für die muslimische Welt ein Schüren des Streits zwischen den islamischen Glaubensrichtungen sei.

Das ist mehr als nur Religionslehre im Disput zwischen Persern und Arabern, Schiiten und Sunniten. Es kann der Anfang von verantwortlicherem Handeln in der Region sein. Das ist bitter nötig: Wird das konfessionelle Morden im Irak nicht gestoppt, bricht über kurz oder lang ein Flächenbrand mit unabsehbaren Folgen aus.

Diesen abzuwenden liegt in der Verantwortung vor allem Riads und Teherans. Das Treffen auf höchster Ebene ist also mindestens ein wichtiges Signal. Jetzt müssen insbesondere die USA endlich begreifen, dass die krisengeschüttelte Region nicht zu befrieden sein wird ohne Einbeziehung Irans. Die Saudis als wichtigste Verbündete der USA am Golf können dabei behilflich sein. Hoffentlich wird schnell mehr daraus: gemeinsame Verantwortung für Frieden im Irak und in Afghanistan.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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