Nahost
Kaum mehr als ein Anfang

Was Diplomaten unter Druck ausgehandelt haben, um den Krieg im Libanon zu beenden, ist vorerst lediglich ein Stück Papier. Die 19 Paragrafen, die ab heute Morgen für eine Waffenruhe sorgen sollen, sind kaum mehr als eine Absichtserklärung, die in vielen Punkten interpretationsbedürftig ist.

Bei den offenen Fragen handelt es sich keineswegs um Nebensächlichkeiten. Insbesondere ist der Auftrag für die internationale Truppe nicht klar definiert.

Die Resolution macht aber klar: Die internationale Gemeinschaft erkennt endlich an, dass die bewaffneten Hisbollah-Milizen auf libanesischem Territorium ein Problem darstellen, nicht nur für Israel. Sie sollen deshalb entwaffnet werden.

Die Regierung in Beirut wird jetzt in die Pflicht genommen, ihre Autorität im ganzen Land durchzusetzen, nötigenfalls mit Gewalt. Ob die Entwaffnung der Hisbollah-Milizen gelingt, ist freilich eine andere Frage. Denn die schlecht ausgerüstete libanesische Armee, die keine Kampferfahrung hat, gleicht derzeit einem Freizeitverein. Die libanesischen Streitkräfte bestehen zudem zur Hälfte aus Schiiten, die wohl wenig Begeisterung zeigen werden, gegen ihre Glaubensgenossen bei der Hisbollah vorzugehen.

Auch über den Zeitplan schweigt sich die Uno-Resolution aus. Die neue Resolution beinhaltet deshalb ein Potenzial für neue Missverständnisse und Konflikte. Sie bereitet den Boden für die nächste Krise, wenn ein zentrales Problem nicht gelöst wird: die Aufrüstung der Hisbollah. Waffen dürfen zwar, so sieht es die Resolution vor, fortan ohne Zustimmung der libanesischen Regierung nicht mehr in den Libanon eingeführt werden.

Doch die Waffenimporte zu unterbinden wird sich schwierig gestalten. Denn die Ajatollahs in Teheran sehen in der Hisbollah einen Verbündeten für ihren Ehrgeiz, zur nuklearen Regionalmacht aufzurücken. Sie soll eines Tages in der Lage sein, einen möglichen israelischen Angriff auf das iranische Atomprogramm zu vergelten.

Die radikal-islamische Miliz mag in den vergangenen vier Wochen geschwächt worden sein – aber sie verfügt nach wie vor über Verbindungsleute zum Gottesstaat, und sie kann auf Irans Berater und militärische Experten zurückgreifen. Die Resolution wird daran nicht viel ändern.

Und weil sich Iran nicht einbinden lässt, kann der Waffenstillstand nur so lange anhalten, wie Teheran daran interessiert ist. Aussichtsreicher wäre es, auf Damaskus zu setzen, da die Waffen aus Teheran nur über syrisches Gebiet in den Libanon gelangen können. Dabei müsste die iranisch-syrische Front gespalten werden. Syriens Präsident Bashir el Assad, das schwächste Glied in der Achse zwischen Teheran und der Hisbollah, könnte mit wirtschaftlichen und politischen Vergünstigungen geködert werden. Vor allem Israel hätte entscheidend dazu beizutragen, Syrien in den Kampf gegen die Hisbollah einzubinden. Die Rückgabe der von Israel besetzten syrischen Golanhöhen könnte helfen, Assad dafür zu gewinnen, die Grenze zum Libanon für Waffen dichtzumachen.

Die Zeit drängt. Nach der Annahme der Uno-Resolution durch den Libanon und Israel sind die Diplomaten gefordert, die verbleibenden Lücken zu füllen. Sie sollten aber auch über das israelisch-libanesische Grenzgebiet hinausschauen, in Richtung Damaskus.

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