NATO
Craddocks Bombe

Dass die Nato in der Krise steckt, ist ein offenes Geheimnis. Fast täglich kommen schlechte Nachrichten aus Afghanistan, ihrem wichtigsten Einsatzgebiet.
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Doch nun wackelt auch die Heimatfront. Im Militärhauptquartier im belgischen Mons und am Nato-Sitz in Brüssel herrscht helle Aufregung. Ein Brief von Oberbefehlshaber Craddock an Generalsekretär de Hoop Scheffer ist wie eine Bombe eingeschlagen. Offiziell geht es nur um die Schnelle Eingreiftruppe, ein Prestigeprojekt des früheren US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, mit dem er das Bündnis zu einer weltweit agierenden Feuerwehr umbauen wollte. Die „Nato Response Force“ (NRF) sei wegen fehlender Meldungen der 26 Alliierten nicht mehr voll einsatzfähig, warnt Craddock. Macht nichts, die Nato hat Wichtigeres zu tun, könnte man meinen.

Doch es geht um mehr, um viel mehr. Die USA haben ihre Truppen fast vollständig aus der NRF zurückgezogen und damit die Krise erst herbeigeführt. Dahinter steckt offenbar die Absicht, Druck auf die Alliierten auszuüben. „Use it or lose it“, setzt sie endlich ein, oder gebt sie auf, heißt Craddocks Devise. Die USA fordern, die Eingreiftruppe als Reserve in Afghanistan einzusetzen. Dabei wissen sie genau, dass das für viele Partner nicht akzeptabel ist.

Vor allem für Deutschland kommt der Streit zur Unzeit. Berlin bereitet sich gerade auf die umstrittene Verlängerung der Bundeswehr-Mandate für Afghanistan vor. Da braucht man Ruhe an der Heimatfront. Eine Ausweitung der Mandate durch die Hintertür kommt für Berlin nicht infrage. Dies sollte Verteidigungsminister Volker Jung klarstellen. Verstecken muss sich die Bundeswehr nicht: Denn im Gegensatz zur US-Army hat sie ihre Zusagen für die Eingreiftruppe erfüllt.

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