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Dick,dumm, gewalttätig

Wir haben es schon lange geahnt, doch jetzt gibt es den Beweis schwarz auf weiß: "Fernsehen macht dick, dumm und gewalttätig." So titelte gestern die Deutsche Presse Agentur (dpa).

Die Journalisten aus Hamburg berufen sich in ihrer Meldung auf den Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer, der 50 Studien zum Fernsehkonsum aus mehreren Ländern ausgewertet hat.

Den Studienergebnissen zufolge hat es weltweit die genau gleiche Wirkung, wenn die Menschen - und vor allem Kinder - zu viel vor der Glotze sitzen. Die Leute legen an Gewicht zu und werden damit leichter krank. Die Schulnoten der Jugendlichen werden schlechter, und so sinken langfristig auch die Chancen, einen guten Job zu bekommen. Zudem sind die Kids aggressiv, weil sie im TV täglich Mord und Totschlag vorgesetzt bekommen.

Der Wahnsinn lässt sich in Zahlen ausdrücken. So hat ein amerikanischer Jugendlicher am Ende seiner Schulzeit doppelt so viele Stunden vor dem Fernseher verbracht wie im Klassenzimmer. Forscher Spitzer hat auch einen Vorschlag parat, den TV-Wahnsinn zu stoppen: Eine Art Ökosteuer auf die Produktion von Programmen, die Gewalt enthalten. Damit würde zumindest die Qualität der Sendungen steigen, lautet sein Kalkül.

Doch staatliche Eingriffe werden das Problem gewiss nicht lösen. Vor allem die Eltern sind jetzt gefragt. Sie müssen dafür sorgen, dass sich ihre Kinder anders beschäftigen. Nur so lassen sich die schlimmen Folgen des TV-Konsums verhindern. Das wird schwierig, gar keine Frage. Schließlich sind die Mütter und Väter von heute die erste Generation, die selbst mit dem Fernseher aufgewachsen ist.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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