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Entsperren ohne Lösegeld

Kein Handy-Kidnapping mehr in Österreich. Ein Gericht in Wien hat T Austria-Mobile klar gemacht, dass es in Ordnung sein dürfte, wenn der Anbieter eines Billigtarifs im Web Links zu Firmen angibt, die die "Sim-Sperre" des Mobiltelefons aufheben.

Dann nämlich kann der "befreite" Kunde samt Handy zum Billigheimer wechseln. Der Antrag einer Einstweiligen Verfügung gegen den Billiganbieter "Yesss" wurde abgelehnt.

Eine Entscheidung mit Signalwirkung. Der "Sim-Lock" bindet ein Telefon mit Prepaid-Karte auf ewig an den Betreiber, der es ausgegeben hat. Diese Kunden - in der Regel Jugendliche mit kleinem Geldbeutel - zahlen die höchsten Gesprächsgebühren. Wollen sie wechseln, müssten sie ihr Handy wegwerfen oder - wie bei T-Mobile Österreich - es für ein üppiges "Lösegeld" freikaufen. Selbst wenn es Jahre alt und im Grunde über die Gesprächsgebühren fünfmal abbezahlt ist. Dann liefert der rosa Riese für 150 Euro den Code, den es im Internet oft umsonst gibt.

Durch die Entscheidung wird der rasante Aufstieg der Mobilfunk-Billiganbieter auch in Deutschland noch beschleunigt. Und das intransparente Geschäftsmodell des subventionierten Handys wird immer gefährlich, da unberechenbarer. Auch für die Handy-Hersteller.

Die reagieren bereits. Im Juni hat Nokia Geräte für unter 80 Dollar für Afrika angekündigt, Motorola will 40 Dollar unterschreiten und Philips glaubt, dass in Schwellenländern bis 2008 die Geräte 20 Dollar kosten werden. Und die werden letztlich genau so wenig in diesen "armen" Ländern bleiben wie die Billigautos, die heute die europäischen Märkte zu überfluten beginnen. Da hilft auch kein "Country-Lock". Wetten?

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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