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Nicht verliebt in Berlin

Der Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) kommt nicht zur Ruhe.

Erst vor drei Monaten wurde der Führungsstreit bei der Vereinigung der privaten Fernseh- und Radiounternehmen beigelegt. Der Kompromiss: Der ehemalige Pro-Sieben-Vorstand Jürgen Doetz bleibt ein weiteres Jahr an der Spitze. Danach soll die RTL-Managerin Ingrid Haas das Ruder übernehmen. Doch der geplante Machtwechsel ist seit gestern passé. Haas wirft bei RTL das Handtuch. Die bisherige VPRT-Vizepräsidentin heuert beim Zeitschriftenriesen Gruner + Jahr an. Damit steht der VPRT vor einem Problem. Denn wer das Erbe von Jürgen Doetz nun antreten soll, ist wieder völlig offen. Sicher ist nur: RTL hat derzeit keinen Ersatzkandidaten an der Hand. Der designierten Deutschlandchefin Anke Schäferkordt fehlt die Zeit für die mühselige Lobbyarbeit in Berlin. Eine Alternative? Nicht in Sicht.

Für RTL ist die VPRT-Führungskrise eine Blamage. Denn die Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann hatte immer wieder auf einen Machtwechsel gedrungen. Nun lässt RTL den Verband im Regen stehen. Doch nicht alle sind über das Fiasko traurig. Konzernunabhängige Unternehmen beobachten den Kuhhandel der beiden Branchenriesen RTL und Pro Sieben Sat 1 um den VPRT-Spitzenposten mit Argusaugen. Nun haben sie die Chance, das Zünglein an der Waage sein. Denn der neue VPRT-Chef braucht eine Zweidrittel-Mehrheit. Keine leichte Aufgabe für einen Kandidaten.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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