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Nur keine Experimente

Beim Export von Fernsehformaten ist Deutschland eine Niete. Kaum eine Show oder Unterhaltungssendung wird außerhalb des deutschen Sprachraums verkauft. Die Spontan-Klamauk-Show "Schillerstraße" auf Sat 1 ist derzeit eine große Ausnahme.

Im Rechtebusiness gibt es ein riesiges Handelsdefizit. Denn die deutsche Fernsehbranche ist der weltweit größte Importeur von TV-Formaten. Ob "Superstars", "Wer wird Millionär ?" oder "Big Brother" - die Ideen kommen aus den USA, Großbritannien und den Niederlanden.

Für dieses Ungleichgewicht ist nicht etwa die mangelnde Kreativität der Produzenten verantwortlich. In erster Linie fehlt es den Sendern an Mut für Experimente. Seit fünf Jahren gehen die Werbeerlöse zurück. In diesen dürren Zeiten gehen die Programmchefs daher lieber auf Nummer sicher. Schließlich ist es sehr viel teurer, eigene Formate zu kreieren, statt auswärts auf Einkaufstour zu gehen.

Erst wenn sich TV-Formate in den USA oder Großbritannien bewährt haben, werden sie auch hier zu Lande gesendet. Und sollte mal das Original zu teuer sein, wird hemmungslos kopiert, adaptiert und interpretiert. In diffizilen Zeiten haben die Trittbrettfahrer des Fernsehgeschäfts Hochkonjunktur. Erlaubt ist sowieso beinahe alles. Denn im Gegensatz beispielsweise zu den Niederlanden sind neue Fernsehformate in Deutschland rechtlich nicht geschützt. Das hat der Bundesgerichtshof vor Jahren entschieden und damit den deutschen Produzenten einen Bärendienst erwiesen.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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