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Schräge Töne

Die Unverfrorenheit der Musikindustrie kennt offenbar keine Grenzen mehr. Das desaströse "Sicherheitsprogramm" XCP der Musikfirma Sony BMG ist ein vorläufiger Höhepunkt der Kundenverachtung einer Branche, die sich in bester Wagenburg-Mentalität nur noch umringt sieht von bösen Menschen, die man hinter Gitter bringen muss.

XCP installiert sich selbst auf Computern von Menschen, die in den USA arglos und legal eine Musik-CD von Sony BMG erworben haben - ohne deren Wissen. Sobald die CD in das Laufwerk des heimischen PCs wanderte - so weiß man heute - wurden ohne Skrupel tiefgreifende Veränderungen auf dem Computer vorgenommen, dieser ausspioniert und Virenangriffen ausgesetzt. Versuche, die Software manuell zu entfernen, können schlimmstenfalls das CD-Laufwerk unbrauchbar machen.

Nun nimmt Sony BMG die CDs mit "größtem Bedauern" vom Markt - und versucht eilig, den Schaden zu begrenzen. Die angestrengten Klagen gegen das Unternehmen werden hoffentlich eines klar stellen: Es ist egal, wer die Eigentumsrechte anderer Leute verletzt - ob skrupellose Raubkopierer im Internet Musik stehlen oder selbstherrliche Musikbosse fremde PCs manipulieren und unbrauchbar oder angreifbar für Schädlinge machen. Jeder muss die gerechte Strafe dafür tragen.

Und wie beim Urheberrecht sollte auch hier ganz klar gelten: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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