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Wer soll das denn kaufen?

Die meisten Menschen reagieren verblüfft, wenn sie hören, dass Infineon seine Speicherchipsparte an die Börse bringen will. "Wer soll das denn kaufen?" lautet die nur allzu verständliche Reaktion.

Schließlich dürfte doch eigentlich niemand so blöd sein, sich an einem Geschäft zu beteiligen, das Europas größter Chiphersteller wegen der seit Jahren unbefriedigenden Zahlen so schnell wie möglich loswerden will. Dazu kommt, dass die Geschichte von Infineon ein gutes Beispiel dafür ist, dass man von Abspaltungen großer Konzerne als Anleger lieber die Finger lassen sollte.

Infineon war ursprünglich ein Teil der Siemens AG. Doch dann entschloss sich der Münchener Technologiekonzern, die hohen Verluste und immensen Investitionen seiner Halbleitersparte lieber risikofreudige Anleger schultern zu lassen. Infineon kam deshalb im Frühjahr 2000 an die Börse. Das Resultat ist bekannt: Allzu oft steckte der Chipproduzent tief in den roten Zahlen, der Aktienkurs rutschte immer weiter in den Keller. Oft waren die Speicherchips der Grund für die Misere.

Jetzt folgt also die Abspaltung von der Abspaltung und es wird interessant sein zu sehen, ob die zwei Unternehmen auf getrennten Wegen erfolgreicher sind als gemeinsam. Nur wenn die Anleger schon im Vorfeld der Emission davon überzeugt sind, werden sie die Aktien der Speichersparte kaufen.

Noch sind keine Details des Börsengangs bekannt, noch kann die ganze Sache abgeblasen werden. Sollte es aber zur Börsennotiz kommen, so muss Infineon mit Sicherheit viel Überzeugungsarbeit leisten. Einfach wird das angesichts der schwachen Ergebnisse der Speichersparte gewiss nicht.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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