Neue Medien verdrängen nicht die Alten
Die Algebra der Medien

Die Konkurrenz im Mediengeschäft ist hart. Radio, Fernsehen, Zeitschriften, Zeitungen, Buch und Internet buhlen um die Aufmerksamkeit der Konsumenten. Jedes Medium ist ein Wettbewerber, heißt die Losung im täglichen Kampf um Kunden.

Tempi passati: Seit Montag liegt die neueste Langzeitstudie zur Massenkommunikation von ARD und ZDF vor. Sie räumt mit altbewährten Vorurteilen auf. Das Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchung prognostiziert indirekt paradiesische Zustände für die von Selbstzweifeln geplagte Medienbranche. Denn die Deutschen widmen immer mehr Zeit den Medien. Mittlerweile verbringen die Bundesbürger täglich zehn Stunden (!) lesend, sehend oder hörend. Das sind gut anderthalb Stunden mehr als noch vor fünf Jahren.

Im Klartext: Neue Medien verdrängen nicht die Alten. Die Verdreifachung der Internetnutzung seit dem Boomjahr 2000 geht eben nicht - wie von vielen Experten befürchtet - zu Lasten von Print, Radio oder TV. Die Zeit für neue Medien kann ganz einfach zum bisherigen Konsum addiert werden.

Die neue Algebra des Medienkonsums sollte von den Unternehmen sorgfältig studiert werden. Denn herauf beschworene Untergangsszenarien erweisen sich als glatter Humbug. Auch wenn es populäre Kulturpessimisten nicht gerne hören: Seit dem Durchbruch des Internets vor fünf Jahren hat das Lesen von Büchern, Zeitschriften und Zeitschriften sogar noch zugenommen. Das ist gerade für die kriselnde Buchbranche kurz vor der Frankfurter Buchmesse eine gute Nachricht. Denn die Lust am Lesen ist in Deutschland groß - aber die Neigung zum Geldausgeben gering.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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