Neuer Auftragsmord
Putins Russland am Rubikon

Ein neuer Auftragsmord in Russland, nur eine Woche nach dem schrecklichen Tod Alexander Litwinenkos in London. Einen Zusammenhang zwischen beiden Taten gibt es aller Wahrscheinlichkeit nicht. Aber beide Fälle bestätigen eine fatale Tendenz: Die russische Mafia, ehemalige und noch aktive Geheimdienstler, unkontrollierbare Privatarmeen Moskauer Oligarchen und Teile des staatlichen Gewaltapparats stehen mittlerweile in einem offenen Krieg miteinander und gegen die Zivilgesellschaft. Ob die Spur einzelner Gewaltverbrechen in den Kreml führt, kann man mittlerweile fast schon als zweitrangige Frage bezeichnen. Viel entscheidender ist: Die letzten Reste von Recht und Ordnung gehen in Russland mit rasender Geschwindigkeit verloren.

Wladimir Putin wirkt in den letzten Tagen nicht wie der mächtige Diktator, als den ihn die westlichen Medien meist porträtieren, sondern eher wie ein Präsident auf Abruf. Im Frühjahr 2008 läuft seine Amtszeit aus. Dann wird nicht nur die politische Macht neu verteilt, sondern auch der gewaltige Reichtum des Rohstofflandes. Die jetzige Kette von Gewalttaten gibt einen Vorgeschmack auf die Gefechte, die uns in den nächsten Monaten erwarten. Russland steht am Rubikon: Alles könnte noch viel schlimmer kommen.

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