Neuer RWE-Chef
Kommentar: Eine Niederlage für den Kapitalmarkt

Per Handstreich ist der Vorstandschef von RWE, Harry Roels, durch seinen Aufsichtsrat entmachtet worden. Sein Vertrag wird nicht verlängert. Schlimmer noch: Ab November wird dem smarten Holländer bereits sein Nachfolger, der Stahlunternehmer Jürgen Großmann, in der Essener Zentrale des Energieversorgers auf dem Schoß sitzen.

Für RWE ist das eine schlechte Nachricht. Denn mit Roels verliert das Unternehmen einen Manager, der seine Fähigkeiten nachhaltig unter Beweis gestellt hat. Die Ertragskraft der RWE hat sich deutlich verbessert, der Aktienkurs liegt heute vier Mal höher als bei seinem Amtsantritt. Unter Anlegern gilt Roels als einer der kapitalmarktfreundlichsten Manager des Landes.

Dennoch ist er gestolpert, vor allem über die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, wohl aber auch über die Gesandten der kommunalen Aktionäre, die noch immer rund 30 Prozent von Deutschlands zweitgrößtem Versorger repräsentieren. Das ist peinlich für den Chef des Gremiums, den WestLB-Chef Thomas Fischer. Er hat noch vor kurzem suggeriert, er werde an Roels festhalten. Dass er seine rebellischen Kollegen im Aufsichtsrat nicht stoppen konnte, spricht im besten Falle gegen seine Durchsetzungskraft, im schlechtesten Falle für ein ausgeprägtes Talent zu intrigieren. Egal wie man das sieht: RWE ist in Sachen Corporate Governance kein Musterschüler.

Was kommt nun auf den Konzern zu? Mit Jürgen Großmann wird zweifellos ein fähiger Unternehmer an die Spitze entsandt. Die Sanierung seiner Georgsmarienhütte ist eines der eindrucksvollen Kapitel der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Aus einem maroden Werk hat Großmann ein hochprofitables Unternehmen gemacht. Seine Ernennung wirft dennoch zwei Fragen auf: Wie wird er sein unternehmerisches Dasein in Einklang bringen mit seinen Aufgaben bei RWE? Und: Ist er der richtige Manager für einen Großkonzern? Bislang liegen seine Meriten im Turnaround eines Mittelständlers, nicht im steuern eines riesigen Tankers.

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