Neues Versicherungsrecht
Kommentar: Zu viele Lücken im Gesetz

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Wenn der Versicherungsvertreter künftig an der Haustür klingelt, steht ein ausgebildeter, geprüfter, öffentlich registrierter und gut beleumundeter Mensch vor Ihnen. So will es das Vermittlergesetz, das am heutigen Dienstag in Deutschland in Kraft tritt und längst überall in Europa zum Standard gehört. Doch dürfen die Verbraucher den Vermittlern jetzt voll vertrauen?

Die Versicherungsbranche verspricht sich von dem Gesetz einen Imagegewinn. Bessere Fachkenntnis gleich bessere Beratung gleich besseres Image, so die simple Logik. Um aus Klinkenputzern flächendeckend seriöse Berater zu machen, bedarf es aber mehr als eines Schnellkurses in Sachen Versicherungswesen.

Obendrein sind von der neuen Qualitätsoffensive sowohl die altgedienten Hasen ausgenommen als auch die jungen Kaffee- oder Brillenverkäuferinnen, die nur gelegentlich eine Police über den Ladentisch schieben. Sie müssen weiterhin nichts von Versicherungen verstehen. Fazit: Es gibt zu viele Ausnahmen, die Anforderungen gehen nicht weit genug. Seriöse Vermittler hätten die Latte denn auch gern ein Stück weit höher gelegt, um sich von den schwarzen Schafen abzugrenzen.

Das Gesetz ist wieder mal ein Kompromiss. Selbst Makler, die nicht ausschließlich nur für eine Gesellschaft arbeiten, sind immer noch nicht dazu verpflichtet, dem Kunden das bestmögliche Angebot des Marktes („best advice“) zu besorgen. Es genügt ein zur Bedarfsdeckung geeigneter Vertrag („suitable advice“). Dass deshalb weiterhin Vorsicht angebracht ist, liegt auf der Hand.

Wenigstens in einem Punkt gibt es aber eine deutliche Verbesserung: Mit der neuen Protokollpflicht für das Verkaufsgespräch wird es für die Kunden künftig zumindest leichter nachzuweisen, wenn sie übers Ohr gehauen worden sind.

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