Neunte Niederlage in Folge
Kommentar: Clinton verliert die Charakter-Wahl

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Mit dem Sieg in Wisconsin ist Barack Obama der klare Favorit für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Hillary Clinton wird schon ein politisches Wunder vollbringen müssen, will sie den Trend noch kippen. Denn Obama gewinnt neue Wählergruppen hinzu - und Clintons Antworten sind die alten, bereits gescheiterten.

Eigentlich hat Wisconsin alle Eigenarten, die diesen Bundesstaat zu einem gefundenen Fressen für Hillary Clinton macht: Die Bewohner sind eher weiß als schwarz, ihre Einkommen sind geringer als im Landesdurchschnitt, sie leiden überproportional unter der Arbeitsplatzverlagerung. Zudem schreibt das Wahlrecht eine offenen Wahl (Primary) vor - im Gegensatz zu einer geschlossenen Parteiversammlung (Caucus), bei denen Barack Obama als fast unschlagbar gilt.

Und dennoch hat Clinton in Wisconsin spektakulär verloren. Der Vorsprung von 17 Prozentpunkten für Obama ist für diesen Staat gewaltig, ebenso wie es zuvor sein Triumpf in Virginia war. Damit hat der Afroamerikaner noch einmal bewiesen, dass er auch in der weißen Arbeiterklasse ankommt.

Obamas Momentum ist eindrucksvoll: Neun Siege in Folge, mit Hawaii kommt heute noch der 10. dazu. Die klare Führung im Rennen um die Delegierten für den Parteitag. Spendeneinnahmen, die kontinuierlich über denen von Clinton liegen.

Nun ruhen alle Hoffnungen Clintons auf Texas und Ohio, wo am 4. März 334 Delegierte vergeben werden. Hier will sie gewinnen und mit Obama wieder gleichziehen. Aber dafür muss sie schon mit deutlichem Abstand, denn wie immer werden die Delegiertenstimmen proportional auf die Bewerber verteilt. Schwerer wiegt aber, dass die beiden großen Staaten für Obama gar nicht mehr so uneinnehmbar erscheinen. Ohio hat eine Wählerstruktur, die nahezu identisch mit der von Wisconsin ist. Und selbst bei den Gewerkschaftsmitgliedern und den spanischsprachigen Wählern, auf die sich Clinton so sehr stützt, freunden sich mit Obama an.

Dieser Dynamik hat Clinton nur wenig entgegen zu setzen. Immer wieder wiederholt sie ihre Argumente, Obamas Botschaft sei zwar rhetorisch elegant, aber inhaltsleer. Sie selbst, auch dieser Punkt kommt immer wieder, könne das Land vom ersten Tag an führen und habe bewiesen, dass sie den Angriffen der Republikaner standhalten kann. Aber ehrlich gesagt - wer Clintons Attacken abwehren und einen so erfolgreichen Wahlkampf führen kann wir Obama, der ist auch gegen John McCain und die Republikaner wettbewerbsfähig.

Bei den Inhalten kann Clinton nicht punkten - denn da liegt sie in Wahrheit mit Obama in den meisten Themen auf einer Linie, die Differenzen etwas bei der Gesundheitsreform sind eher kosmetisch. Wenn Clinton, wie ihre Berater angekündigt haben, diese Unterschiede sowie Obamas Fehler und Schwächen noch aggressiver herausstreichen wird die Vorwahl der Demokraten letztendlich zu einer Stil- und Charakterfrage. Und diese Wahl wird Hillary Clinton nicht gewinnen können.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik

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