Niederlage für Bush
Showdown in Washington

Das war ein Ernst zu nehmender Warnschuss für den US-Präsidenten. In Washington stimmte die Mehrheit der Senatoren dafür, die Bereitstellung weiterer Gelder für den Irak-Krieg an einen noch in diesem Jahr einsetzenden Abzug der Soldaten zu koppeln. Der US-Kongress steuert jetzt auf eine handfeste Konfrontation mit George W. Bush zu.

Langsam aber sicher kippt die Stimmung in Washington. Die Amerikaner erkennen mit zunehmender Klarheit, dass eine militärische Lösung im Irak nicht mehr wahrscheinlich ist – selbst wenn Bush neue Verbände in das vom Bürgerkrieg zerrissene Land entsendet. Auf der Straße haben die US-Bürger ihren Unmut in den letzten Tagen bereits deutlich Nachdruck verliehen. Jetzt beginnt im Washington die harte politische Auseinandersetzung.

Bush wird zwar erst einmal ein Veto gegen den Beschluss einlegen, doch lange wird er sich nicht mehr der Erkenntnis entziehen können, dass die Zeit zum Umdenken gekommen ist. Da ist ihm der scheidende US-Botschafter in Bagdad, Zalmay Khalizad, weit voraus. Er hatte in aller Stille bereits Fäden zu den Aufständischen gesponnen.

Ohne die rebellischen Sunniten in Gespräche über die Zukunft des Irak einzubinden, wird dort wohl kaum Ruhe und Stabilität einkehren. Im Irak gilt im kleinen, was für den Unruheherd des Nahen Ostens insgesamt zutrifft: Mit missionarischem Eifer, mit Militärgewalt und mit dem politischen Druck einer Supermacht lassen sich Frieden und Demokratie nicht erzwingen. Nur wenn wirklich alle Interessengruppen an einen Verhandlungstisch kommen, gibt es überhaupt eine Chance auf Verständigung. Im Fall Israel-Palästina haben die USA diese Lektion gelernt. Jetzt muss die Frucht der Erkenntnis auch im Irak reifen.

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