Nintendo
Der verglühte Börsenstar

Nintendo muss sich nach dem ersten Verlust der Unternehmensgeschichte neu erfinden. Aber bislang betreibt der japanische Videospielhersteller nur kosmetische Reformen.
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Nintendo macht vor, wie schnell in der digitalen Wirtschaft der Sturz vom Börsenliebling zum Sanierungsfall gehen kann. Nur drei Jahre nach einem Rekordgewinn muss der japanische Videospielhersteller mit einem Reinverlust von 43 Milliarden Yen (400 Millionen Euro) den ersten Verlust seiner Unternehmensgeschichte verbuchen. Und die Chancen stehen nicht gut, dass Nintendo bald zu altem Glanz zurückkehrt. Denn der einstige Visionär, der die Videospielindustrie in der vergangenen Dekade durch neue Bedienkonzepte zu ungeahnten Höhen führte, hat in den letzten fünf Jahren die wichtigen Technik- und Wirtschaftstrends gehörig verschlafen: den Boom der Smartphones und den Aufstieg der asiatischen Mittelschicht.

Auf der technischen Seite hat das Unternehmen nicht erkannt, welche Gefahr Smartphones für sein Geschäftsmodell darstellen, Videospiele nur für seine eigene Konsolen zu verkaufen. Der Erfolg Nintendos beruhte darauf, mit seinen einfach zu bedienenden Spielekonsolen DS und der stationären Wii auch Gelegenheitsspieler sowie Frauen und Senioren für Videospiele zu begeistern.

Doch Smartphones und neuerdings Tablet-PCs bieten heute genug Games an, mit denen sich Gelegenheits- und zunehmend auch Hardcorespieler die Zeit vertreiben können. Dazu bietet die Online-Gemeinde immer neue Spiele und Funktionen gegen Geld zum Download, zwei Aspekte, die Nintendo bis vor kurzem verschmäht hat.

Zudem hat das Unternehmen sträflich die rasant anschwellende asiatische Mittelschicht vernachlässigt. 90 Prozent seines Geschäfts macht das Unternehmen in Japan, den USA und Europa, allesamt stagnierende oder schrumpfende Spielemärkte. Beides gilt auch für Sony und seine Playstation.

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  • Lieber Herr Kölling,

    bitte schreiben Sie doch nicht auch noch den Unfug ab, dass die Smartphones die Bedrohung / Rettung sind.
    Sicherlich ist der Gamesmarkt durch die Smartphones herausgefordert, aber eher dadurch, dass die 99 Cent Politik - neben zunehmenden Raubkopien - die Preise und die Wertigkeitswahrnehmung für Spiele kaputt macht. Reich wird dabei nur Apple.
    Schaut man sich die Umsatz-Zahlen der größten Publisher auf Smartphones an, so sind diese weit von Nintendo entfernt. Apps zu erstellen wäre für Nintendo genauso sinnvoll, wie in Lose zu investieren und der Gewinn ähnlich hoch.
    Nintendos Probleme liegen in der eigenen Produktpolitik, zu wenige Titel, zu wenig Öffnung für kleine Entwickler, schwacher Service rund um die Spiele (z.B. online spielen).
    Viele Grüße!

  • "... oder der kommenden Wii U, die wie ein Tablet aussieht."
    Falsch!!! Die WiiU ist ein Spielkonsole, die neben der 100% Abwärtskompatibilität zu Wii-Spielen samt WiiMote-Steuerung auch einen neuen Controller mit einem integrierten 6,5 zoll Touchscreen daherkommt.

    "Und die Chancen stehen nicht gut, dass Nintendo bald zu altem Glanz zurückkehrt."
    Falsch! Blödsinn!!! Nintendo bricht seit Monaten mit dem 3DS "AllTime" Rekorde (sogar die des erfolgreichsten Spielesystems *Nintendo DS* mit über 160 Million verkauften Einheiten). Außerdem vergisst man schnell die Tatsachen, dass exakt zwei Wochen nach dem Release des Nintendo 3DS, in Japan der Fukushima Horror entstanden und ganz Japan gelähmt war. Sony allein hat im letzten Geschäftsjahr knapp *5 Milliarden Euro* Verlust gemacht, 10000 Stellen werden grad abgebaut und niemand redet vom Untergang Sonys, von Nintendos aber schon (wie seit über 10 Jahren -.-)

    "Ein interessanter Rat vieler Experten ist seit langem, dass Nintendo seine Spiele als Apps oder als Onlinedienst auch für Handys und PCs anbietet"
    Ähm Nein!! Nintendo ist weit davon entfernt in die Fußstapfen SEGAs zu treten. Nintendo würde, wenn sie sich von Konsolenmarkt zurückziehen, sich ins eigene Fleisch schneiden! Man darf nicht die Tatsache vergessen, dass es ohne Nintendo die heutige Videospiele Welt nicht existieren würde. Also bitte hört auf damit mit pseudo Glaskugel-Methoden die düstere Welt Nintendos zu sehen. Sie wird es nicht geben!!! Ich bin kein Analyst oder sonnst was, aber meine Glaskugel Prophezeiungen der letzten 10 Jahre gingen alle auf!!!

  • Auch wenn ich hier zwischen alle Stühle hechte aber: Nach dem Gamecube und dem Nintendo DS gings technisch nurnoch bergab. Die Grafik war meist schlechter als bei den alternativen von Sony und Microsoft. Die Innovative Touchsteuerung bzw interaktionen via Bewegungen waren da schon reizvoller. Trotzdem muss cih sagen, dass die Spiele darunter litten. Und da spielte ich (und viele andere) doch lieber qualitativ hochwertige Spiele mit "alter" Steuerung

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