Nokia
Goodbye, Handy

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Einen symbolischen Sarg mit der Aufschritt Nokia trugen gestern die Mitarbeiter der Bochumer Fabrik des finnischen Handyherstellers durch die Ruhrgebietsstadt. Der lautstarke Protest gegen die Schließung des Standorts mit 2 300 Beschäftigten, die öffentlichen Ohrfeigen der politischen Elite in Deutschland, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel, sind für die Konzernführung auch ganz persönlich eine völlig neue, sehr negative Erfahrung.

Doch im Innersten lässt der Proteststurm in Deutschland Nokia weitgehend kalt. Wichtiger ist da schon die weltweite Talfahrt der Aktienbörsen. Und grundsätzlich gilt: Der größte Handyhersteller der Welt befasst sich mit ganz anderen Themen als nur Standortverlagerungen, um auch in Zukunft aussichtsreich mitzumischen. Über den unternehmerischen Erfolg der einst so mit Ruhm bedeckten Handybranche entscheiden nicht in erster Linie die Kostenstrukturen bei der Produktion von Mobiltelefonen. Über Aufstieg und Fall in der digitalen Kommunikationswelt entscheidet, ob es den Konzernen gelingt, mobile Internetdienste über die konzerneigenen Handys aufzubauen und daraus ein Milliardengeschäft zu machen.

Goodbye, Handy, heißt die Strategie der Finnen. Denn mit dem Verkauf von Mobiltelefonen allein droht ihnen das Schicksal der Fernsehhersteller. Grundig und Telefunken sind vom Markt verschwunden, weil sie das knallharte Duell mit der japanischen Billigkonkurrenz verloren. Alternative Geschäftsmodelle gab es damals nicht.

Nokia ist klüger. Zusammen mit der Telekommunikationsbranche wollen die Finnen nicht nur Handys verkaufen. Sie entwickeln mobile Internetdienste, egal ob Musik, Fernsehen, Navigation oder Spiele, die überall und zu jeder Zeit verfügbar sind. Unter dem Dach des konzerneigenen Internetportals Ovi – das finnische Wort für Tür – werden dann die Inhalte vermarktet.

Bei den Telcos rennen die Skandinavier meist offene Türen ein. Denn Nokia bietet ihnen eine Umsatzbeteiligung an. Das ist verlockend. Der Nokia-Konkurrent Apple ist zum Leid der Telekomriesen bei der Einführung seines Mulitmediahandys iPhone genau den umgekehrten Weg gegangen. Beispielsweise müssen Deutsche Telekom oder France Télécom die Amerikaner an ihren Telefonumsätzen beteiligen.

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