Nokia
Kommentar: Chance verpasst

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Was sich hinter den verschlossenen Türen der Nokia-Konzernzentrale im finnischen Espoo gestern abgespielt hat, lässt sich bislang allenfalls erraten: Vertreter der IG Metall haben mit Nokia-Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo über die geplante Schließung des Werks in Bochum diskutiert. Nokia wird noch einmal auf die hohen Lohnkosten in Deutschland hingewiesen haben, die IG Metall auf die soziale Verantwortung für mindestens 2300 Beschäftigte in Bochum. Damit sind die unterschiedlichen Positionen zumindest einmal im direkten Gespräch erörtert worden.

Dass der Konzern, der von der Kommunikation lebt, kommuniziert, ist gut und längst überfällig. Dass aber die traditionelle Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Espoo erstmals seit Jahren nicht abgehalten wird, wirft neue Fragen auf. Sicher, Nokia hat recht, wenn das Unternehmen darauf verweist, dass es in den vergangenen Jahren nicht geglückt sei, die internationale Presse für die Bilanzpressekonferenz nach Finnland zu locken. Außer einigen finnischen Journalisten nahm kaum jemand an der Bekanntgabe der Jahreszahlen teil. Dass dieser Beschluss angeblich bereits im Herbst vergangenen Jahres gefallen sei und in keinem Zusammenhang mit der Werksschließung in Bochum stehe, mag sein, es fällt aber schwer, das zu glauben. Denn es dürfte ein willkommener Nebeneffekt sein, dass man sich in der Konzernzentrale in Espoo die allzu wissbegierige Presseschar aus deutschen Landen vom Leibe hält.

Damit wurde eine weitere Chance verpasst, zu einer sachlichen Auseinandersetzung über die Schließung in Bochum zurückzukehren. In Zeiten, in denen Populisten mit unsinnigen Boykottaufrufen die Schlagzeilen beherrschen, hätte die offene Kommunikation der Sache gutgetan.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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