Nokia
Kommentar: Vorgeschobene Begründung

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Mit Nokia verabschiedet sich nach BenQ und Motorola der letzte Handy-Produzent aus Deutschland. Das verwundert zunächst: Nokia ist mit Abstand das profitabelste Unternehmen der Branche. Im dritten Quartal lag die Marge vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei 22 Prozent, gefolgt von Sony-Ericsson, die gerade einmal auf knapp 13 Prozent kamen.

Die Argumente, die Nokia für den Rückzug aus Deutschland anführt, sind verwirrend. Das Unternehmen betont die notwendige Sicherung seiner „langfristigen Wettbewerbsfähigkeit“. Die Kosten in Deutschland seien im internationalen Vergleich einfach zu hoch. Doch das Argument zielt ins Leere, denn die Löhne in der Handy-Produktion machen weniger als fünf Prozent der Herstellungskosten aus. Richtig ist, dass die Preise für Handys in den vergangenen Jahren radikal gesunken sind, obwohl immer mehr Technik in den Geräten steckt.

Der eigentliche Grund für die Verlagerung des Standortes ist aber ein anderer. Nokia will ihn vermutlich aus politischen Gründen nicht so sehr in den Mittelpunkt rücken: Es ist das Konzept der „industrial villages“. Die Finnen wollen ihre Werke an den Standorten haben, wo auch ihre Zulieferer und Partner sitzen. Die aber wollten wegen des „allgemein hohen Kostenniveaus“ nicht nach Deutschland kommen.

Für den finnischen Weltmarktführer wäre das deutsche Kostenniveau eigentlich kein Problem – er hat so günstige Einkaufskonditionen bei den Vorprodukten, dass ihn die deutschen Löhne nicht schmerzen würden. Bei kleineren Anbietern – wie BenQ oder den Nokia-Zulieferern – sieht das schon anders aus. Als Begründung für die Streichung von 2300 Jobs hätte das Zulieferer-Argument aber vermutlich nicht so gut gezogen. Deshalb versteckt sich Nokia hinter dem allgemeinen Gejammer über den teuren deutschen Standort.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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