NOKIA/SIEMENS
Künstliche Erregung

Verwunderlich: Da verkündet das Netz-Joint Venture von Nokia und Siemens, seit es die Bildung des Gemeinschaftsunternehmens bekannt gegeben hat, dass im Zuge der Eheschließung zwischen 10 und 15 Prozent der Arbeitsplätze gestrichen werden.

10 bis 15 Prozent von etwa 60 000 Jobs – das macht nach Adam Riese 6 000 bis 9 000 Stellen. Das ist seit dem vergangenen Sommer bekannt. Doch nun, als das neue Unternehmen am Freitag erstmals konkrete Zahlen nannte, ist die Aufregung groß. In Deutschland fallen bis 2010 rund 2 900 Stellen weg, in Finnland etwa 1 800 Jobs. Das ist für die Betroffenen ein schwerer Schicksalsschlag – ohne Frage. Doch der Stellenabbau gehörte sozusagen zum Konzept bei der Bildung des Joint Ventures.

Denn die Konkurrenz beim Bau von Mobilfunknetzen ist nicht zuletzt durch die Marktoffensive chinesischer Anbieter beinhart. Was erstaunt, ist nicht die Reaktion von Betroffenen, die am Freitag in Deutschland und Finnland aus Protest spontan die Arbeit niederlegten. Das ist verständlich, niemand möchte seinen Arbeitsplatz verlieren. Erstaunlich ist aber das Medienecho: Da ist von „Stellen-Kahlschlag“ und „überraschenden“ Entscheidungen die Rede. Doch das neue Unternehmen hat nie ein Geheimnis aus den Sparzielen gemacht.

Gut, der Abbau von bis zu 2 900 der insgesamt 13 000 Stellen in Deutschland ist überproportional hoch, doch auch in Finnland, dem Hauptsitz des neuen Unternehmens, sollen bis zu 1 700 der 10 000 in der Netzsparte Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren. Auch das sind mehr als 15 Prozent. Und: In das Joint Venture brachte Siemens weltweit rund 37 000, Nokia etwa 23 000 Mitarbeiter ein. Die Erregung wirkt in diesem Fall spät und bemüht.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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