Nordkorea
Taktik des Dämons

Der Dämon bleibt sich treu: Den Konflikt mit den USA befeuert Nordkoreas Diktator Kim Jong Il mit schöner Regelmäßigkeit mit neuen Provokationen. Von Mal zu Mal versteht es Pjöngjang, die Atomkarte effektvoller zu spielen. Vor zwei Jahren hatte das Regime den Atomwaffensperrvertrag aufgekündigt, im Oktober 2002 das Programm zur Anreicherung von Uran eingestanden. Und jetzt räumt Kim sogar den Besitz von Atomwaffen ein. Die USA haben es geahnt, doch Präsident George W. Bush blieb passiv. Zu lange schon.

Unter den Augen der USA hat Nordkorea sein Nuklearpotenzial systematisch ausgebaut. Nachgewiesene Verbindungen zu Atomschmieden in Pakistan und Libyen nähren den Verdacht Washingtons, Pjöngjang verfüge bereits über Atomwaffen. Bush hat nicht reagiert, obwohl er genügend Anlass hatte, um sich des Problems anzunehmen. Schließlich zählt er neben Iran auch Nordkorea zu seiner „Achse des Bösen“.

Kims Absichten sind eindeutig. Er will die USA zwingen, ja erpressen, einen Nichtangriffspakt abzuschließen und Wirtschaftshilfe zu gewähren. Der Versuch Washingtons, dieses Ansinnen mit „wohlmeinender Vernachlässigung“ zu übergehen, ist fehlgeschlagen. Die USA haben ihre Verantwortung für das Atomproblem auf China, Japan, Südkorea und Russland abgewälzt – und damit in der Region an Einfluss verloren. Die „Sechser-Gespräche“ schleppen sich seit ihrer Gründung erfolglos dahin.

Selbst wenn Kim einmal mehr blufft – jetzt muss Washington das Heft in die Hand nehmen. Zumal Kim trotz frecher Rhetorik eine Hintertür für weitere Verhandlungen offen lässt. Ein schärferer Kurs gegenüber Nordkorea ist beileibe nicht die einzige Option. Mit Sanktionen lässt sich der Diktator eines Volkes, das mit Gehirnwäsche und Mangelwirtschaft gelenkt wird, nicht beeindrucken.

Ein Beispiel, wie Nordkorea aus der Isolation geführt werden kann, hat ein Vorgänger Bushs geboten. In China hatte Richard Nixon 1972 durch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen den Anstoß für das Ende des Maoismus und eine Öffnung des Landes gegeben. In Nordkorea könnte Bush seinem Beispiel folgen.

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