Northern Rock
Kommentar: Das Misstrauen bleibt

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Zum Schluss ist Mervyn King doch eingeknickt. Am Freitag rettete der Gouverneur der Bank of England mit einem Notfallkredit den strauchelnden Baufinanzierer Northern Rock. Noch wenige Tage zuvor hatte King ziemlich unmissverständlich klargemacht, dass die Finanzbranche bei der Bewältigung der großen Kreditkrise besser nicht auf seine Hilfe bauen sollte. Könnten sich die Banken darauf verlasen, dass die Währungshüter im Notfall als Retter bereit stünden, würden sie nur noch höhere Risiken eingehen und damit die Saat für die nächste noch größere Krise legen.

Gemessen an diesen hehren und richtigen Grundsätzen hätte King Northern Rock in die Pleite rutschen lassen müssen, denn der Baufinanzierer der zu den größten in Großbritannien zählt, arbeitet nach einem aggressiveren Geschäftsmodell als die meisten seiner Konkurrenten. Da wäre es doch nur korrekt, wenn Northern Rock auch die Zeche dafür bezahlen müsste, oder? Zum Glück hat sich King aber im richtigen Moment von seinen Grundsätzen verabschiedet. Spätestens die langen Schlangen verängstigter Kunden vor den Northern-Rock-Filialen beweisen, wie nahe der Bankenmarkt vor einer Panik steht. Aber nicht nur die Sparer haben Angst. Das Misstrauen der Institute untereinander ist angesichts der weltweiten Kreditkrise groß, dass sie sich kaum noch gegenseitig Geld leihen. In dieser angespannten Situation, kann jeder größere Schock das System zum Bersten bringen.

Der Beinahe-Kollaps von Northern Rock, zeigt, dass die Liquditätskrise am Bankenmarkt noch lange nicht vorbei ist, und dass Größe allein kein Schutz ist. Das Misstrauen der Banken untereinander wird anhalten, genauso wie der Argwohn der Investoren gegenüber der gesamten Finanzbranche und das gilt weit über die britischen Grenzen hinaus. Das gilt übrigens auch für den größten Übernahmekampf der Finanzgeschichte. Angesichts des neuen Schocks wird es immer unwahrscheinlicher, dass die erbitterten Konkurrenten Barclays und Royal Bank of Scotland an ihrem verwegenen Plan festhalten, den niederländischen Konkurrenten ABN Amro für bis zu 70 Mrd. Euro zu kaufen Das mag vor drei Monaten noch nach einem vernünftigen Vorhaben ausgesehen haben, heute wirkt der Übernahmekampf wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.

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