Notenbanken In der Klemme

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Die USA steuern offenbar auf eine weitere Zinssenkung zu. Fed-Gouverneur Donald Kohn hat jetzt erstmals eingeräumt, dass sich die Wachstumsaussichten durch die anhaltenden Turbulenzen auf den Kreditmärkten weiter verschlechtert haben. Damit ist die Aussage der Notenbank von Ende Oktober obsolet, wonach sich Wachstums- und Inflationsrisiken in Amerika in etwa die Waage halten. Wenn Kohn fordert, dass die Fed angesichts der Finanzkrise pragmatisch bleiben müsse, bedeutet das nichts anderes, als dass man im Zweifel eben doch die Zinszügel schleifen lassen wird.

Für Europa verheißt das nichts Gutes. Auch hier steht die Europäische Zentralbank (EZB) von zwei Seiten unter Druck. Die Inflationsrate steigt, zugleich bekommt die europäische Wirtschaft die Auswirkungen der Finanzkrise immer stärker zu spüren. Marschiert die Fed mit Zinssenkungen weiter voran und bleibt die EZB aus Angst vor der Inflation zurück, wird die Zinsdifferenz zwischen den Kontinenten noch geringer. Das dürfte den Sinkflug des Dollars beschleunigen.

Einen gefahrlosen Ausweg aus diesem Dilemma gibt es nicht. Die Kernfrage bleibt, ob weitere Leit-zinssenkungen in den USA im Moment notwendig sind, um die Kreditklemme zu lockern. Da es sich bei der Finanzkrise mehr um eine Vertrauens- als um eine Liquiditätskrise handelt, sollte die Fed nicht zu schnell einlenken und den Geldhahn aufdrehen. Um Engpässe in der Geldversorgung der Banken zu beheben, muss man nicht die Leitzinsen senken. Dafür gibt es effektivere Mittel. Erst wenn die Stabilität ins Finanzsystem zurückkehrt, werden sich auch die Märkte wieder normalisieren. Die Fed sollte dazu einen Beitrag leisten und im Dezember nicht die Zinsen senken.

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