Obamas Rede in Berlin

Charmante Luftschlösser

Historischer Ort, hohe Erwartungen: Das verleitet Obama dazu, in Berlin Luftschlösser zu bauen: Er startet eine Abrüstungsinitiative, beschwört Berlins Freiheitsgeist und erklärt sein Ausspähprogramm. Ein Kommentar.
23 Kommentare
Markus Ziener ist Ressortleiter Meinung Quelle: Pablo Castagnola

Markus Ziener ist Ressortleiter Meinung

(Foto: Pablo Castagnola)

BerlinEin Abrüstungsvorschlag ist eine gute Sache in einer Welt, die noch immer nur so von Atomwaffen strotzt. Die Initiative des US-Präsidenten Barack Obama, die dieser in seiner Rede vor dem Brandenburger Tor erläutert hat, ist daher nur richtig. Ein Drittel weniger Atomwaffen – wer wollte das nicht. Nur: Schon einmal hat Barack Obama mit dem Vorstoß zu „global zero“, der Abschaffung sämtlicher Atomwaffen, eine große Vision entwickelt – die dann aber kläglich scheiterte.

Am Ende konnte der Präsident froh sein, dass er den amerikanisch-russischen Abrüstungsvertrag Start vom Kongress ratifiziert bekam – obgleich auch das nur, indem er den Senatoren einen Kuhhandel anbot. Damals, Ende des Jahres 2010, bekam Obama die Stimmen erst, als er einer Verlängerung von Steuererleichterungen zustimmte, die noch von seinem Vorgänger George W. Bush beschlossen worden waren. Dabei ging es bei Start vor allem um eine Begrenzung der Zahl der Trägerraketen, nicht aber um die bereits existierenden tausende von Sprengköpfen. Deutlicher konnte nicht werden, dass Abrüstung keine Herzensangelegenheiten der amerikanischen Politik mehr ist.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Stimmenverhältnisse im Kongress – mit einer knappen demokratischen Mehrheit im Senat und einer Mehrheit für die Republikaner im Repräsentantenhaus – sind so, dass Obama alleine nichts gelingen kann. Er braucht die Zustimmung der Konservativen und damit einer Partei, die noch immer eher auf Blockade als auf Kooperation setzt, wenn es um Gesetzesinitiativen des Präsidenten geht. Woher also Obama seinen Optimismus für einen neuerlichen Abrüstungsvorschlag nimmt ist deshalb unklar.
Zu hoffen ist daher, dass es sich nicht nur um ein rhetorisches Leuchtfeuer vor grandioser Kulisse handelt, das der 44. US-Präsident in Berlin entzündete.

Der historische Ort, die noch höheren Erwartungen: Das könnte Obama dazu verleitet haben, mit großer Geste Luftschlösser zu bauen. Es gilt deshalb genau hinzuschauen, was aus dem Abrüstungsvorstoß noch wird. Auch das eine Meßlatte, um Obamas Wirken am Ende seiner Amtszeit einzuordnen.

Immerhin: Als der Präsident mit der Bundeskanzlerin vor die Presse trat muss er verstanden haben, dass die Abhöraffäre sowie der Einsatz von Drohnen zumindest für das deutsche Publikum keine Petitessen sind.

Zu cool, zu unnahbar
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23 Kommentare zu "Obamas Rede in Berlin: Charmante Luftschlösser"

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  • und nicht vergessen.... ohne die europäischen vasallen wird die usa als welthegemon noch schneller von china abgelöst, also braucht jeder amerikanische präsident 300 mio Europäer um eingermaßen gegen die 1,3 mrd chinesen bestehen zu können, george orwell hatte sich eigentlich nur im jahrhundsert geirrt 2084 ist es dann soweit

  • Jetzt ist er weg und ganz schnell vergessen; der Kommentar stimmt, was bleibt vom Obama Besuch außer eine nichtssagende, unwichige Rede vor dem Tor der Freiheit.

    Den Besuch in Deutschland hätt er sich eigentlich sparen können.

  • Wir, Deutsche, sind froh, dass die amerikanische Seifenblase abgereist ist.

  • Obama geht hier in Europa einer Rolle nach, die zumindest in Amerika für potentielle Kundschaft schnell im County Jail enden würde. Sein Jackett hat er ja auch ausgezogen. Das war Schaumschlägerei mit manipulativer Komponente auf höchstem Niveau. (Panzerglas) Eine große Show, sonst nichts. Innenpolitisch sind so gut wie alle von Obama avisierten Ziele nicht durchzusetzen. Das weiß er ganz genau. Aber darum ging es heute auch nicht, der clevere und überaus intelligente amerikanische Präsident wollte hier feste Bande schmieden, um u.a. zu Hause nicht ganz abzusaufen. Wir erinnern uns an den Sequester.
    Das war heute eine rhetorische Leistungsschau für alle deutschen Spitzenpolitiker - wer weiß, was nach unserer Bundeskanzlerin noch kommt. Dazu noch gefühlte 300 Secret-Service Agenten, die sich wie schwarze Roboter umher bewegen. Riesiger Präsidentenkonvoi mit ordentlich Bling Bling und genug automatischen Waffen, um eine kleine Armee auszustatten.
    Plus zwei Dutzend nervöser Scharfschützen auf allen wichtigen Dächern im Umkreis des Brandenburger Tors und allen politisch bedeutenden Institutionen. Die USA haben heute mit (vasallen)-Hilfe der Berliner Polizei die militärische Kontrolle über das Regierungsviertel und Teile der Hauptstadt übernommen. Der Großteil der anwesenden deutschen Regierung hat das noch nicht mal gemerkt...

    Für mich ist das der letzte Warnschuss, im Herbst das Kreuz bei den kleinen, bisher unbedeutenden Parteien zu machen. Unsere derzeitige Führung besteht aus verträumten Dilettanten, die eingewebt in ihren selbstverliebten Kokon nichts mehr mitbekommen.

    Solchen Traumtänzern die Lösungskompetenz über die Eurokrise zu überlassen grenzt an grobe Fahrlässigkeit.

  • 1+

  • Genau, wieder einmal wurden Millionen an Steuergeldern verbrannt um für wenige Minuten was zu hören? Oblabas, bla bla bla, bla bla bla bla. Yes, he can.

  • Und hier ist der Beweis: "Das Interesse der Berliner an der ehrenden Aufwartung tendiert hart gegen Null."

    http://www.berliner-umschau.de/news.php?id=12232&title=Obama+am+Brandenburger+Tor+%96+und+Berlin+interessiert+es+nicht&storyid=1001371657504

    Obama ist eine Journalistensause. Entkoppelt von der übrigen Welt. Warum die Zeitungen sterben, ich glaube, die Frage wird hier auch gerade beantwortet.

  • Obama hat zu mehr Freiheit in allen Nationen der Welt aufgerufen. Das ist sehr mutig.

    Diesen Aufruf Obamas sollten wir umsetzen und uns in Deutschland endlich von der erpresserischen Beamtendiktatur befreien, die uns mit einer Staatsquote von über 50% unser sauer verdientes Geld abpresst.

    Dieses abgepresste Geld wird dann für überdimensionierte Politik- und Beamtenapparate zur Finanzierung eines sorgenfreien Lebens mit unkündbaren Jobs verschwendet. Und zusätzlich für vermeintlich sinnvolle Projekte wie FH BER, Stadtschloss Berlin, EURO- Drohnen, EU- Gebäude in Brüssel und Strassburg, Stuttgart 21, Beamtenpensionen, Diätenerhöhungen, Aufstockung der Politschwätzer in EU, Bundestag, Land, Kreis, Stadt und Gemeinde....alles zur Absicherung der Beamtendiktatur.

    Ein grosses Stück Freiheit wäre in Deutschland realisiert, wenn wir endlich den 'Schlanken Staat' mit dem notwendigen Minimum an Verwaltung anstreben würden, damit die Staatsquote wieder auf 30% sinkte, wie in den USA.

    Danke Barrack Obama ! Aber man wird ja wenigstens mal von solchen Freiheiten träumen dürfen, oder ist das auch schon verboten?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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