OECD-Bildungsstudie
Schlaglöcher

Aus der Bildungsmisere führt Deutschland nur ein dualer Weg: Mehr Akademiker ausbilden und zugleich den Standortvorteil „Lehre“ ausbauen. Denn noch immer verschwenden wir Talente, als ob wir zu viele davon hätten.
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BerlinDie OECD hat mit ihrem jährlichen internationalen Vergleich wieder einmal die Schlaglöcher auf dem Weg zur Bildungsrepublik Deutschland bloß gelegt: Wie geben zu wenig unserer Reichtums für Bildung aus und fallen deshalb international zurück. Wir bilden zu wenig Akademiker aus, und schaden so dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Das wird noch dadurch verschlimmert, dass bei uns der Nachwuchs auch rein zahlenmäßig stärker zurück geht als anderswo.

Dazu kommt: Wir bilden unsere Jugend im Schnitt nicht besser aus als die Generation ihrer Eltern - im Gegensatz zu fast allen Ländern der OECD. Da hilft es auch nichts, dass wir  absolut und relativ gesehen mehr Geld für Bildung ausgeben als früher. Konkurrenznationen überholen uns, weil sie noch mehr drauflegen.

Auch die unendliche Streiterei zwischen OECD und den deutschen Bildungspolitikern über die im internationalen Vergleich angeblich unter Wert gehandelten duale Ausbildung führt nicht weiter. Denn erstens kann auch die deutsche Seite diesen Effekt nicht beziffern.  

Zweitens können wir in der Regel keine Akademiker durch Facharbeiter ersetzen. Und drittens zeigt der überdurchschnittliche Gehaltsvorsprung deutschen Akademiker eindeutig die Knappheit am Arbeitsmarkt.

Die Parole kann daher nur heißen: Mehr Akademiker ausbilden und zugleich den unumstrittenen Standortvorteil "Lehre" ausbauen, indem wir dafür sorgen, dass möglichst alle übrigen Schulabgänger  nicht nur einen Schulabschluss machen sondern auch eine Berufsausbildung absolvieren. Denn noch immer verschwenden wir Talente, als ob wir zu viele davon hätten.

Die deutschen Bildungspolitiker sollten sich daher auch nicht länger reflexartig gegen die Analyse der OECD wehren, sondern deren Daten lieber als Munition im nationalen Verteilungskampf um die knappen Mittel verwenden. Denn wer zu oft und zu laut behauptet, wir seien super, kann schwerlich mehr Geld vom Finanzminister seines Landes oder des Bundes für Bildung einfordern.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " OECD-Bildungsstudie: Schlaglöcher"

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  • Zitat: in vielen Ländern dauert die Schulpflicht 12-13 Jahre --- auch das gibt es schon.
    In anderen Ländern gibt es überhaupt keine Schulpflicht, sondern eine Bildungspflicht. Deutschland und Schweden sind die einzigen europäischen Länder mit Schulanwesenheitspflicht. Die anderen kennen so einen Zwang gar nicht, sondern erlauben es, Bildung auf vielfältige Wege zu erlangen, so auch der Pisa-Sieger Finnland

  • Es gelten in der Bildungsszene dieses Landes, aber auch der anderer Länder, heute immer noch die Sätze von Friedrich Nietzsche (1844-1900):„Also, meine Freunde, verwechselt mir diese Bildung, diese zartfüßige, verwöhnte, ätherische Göttin nicht mit jener nutzbaren Magd, die sich mitunter auch die ‚Bildung’ nennt, aber nur die intellektuelleDienerin und Beraterin der Lebensnot, des Erwerbs, der Bedürftigkeit ist." Der Kölner Literaturwissenschaftler Wilhelm Voßkamp drückt das noch kürzer aus: "Bildung ist mehr als Wissen". Solange wir diese Weisheiten nicht beherzigen, sind wir weit davon entfernt, eine humanistische Gesellschaft aufzubauen. Und davon sind wir noch meilenweit entfernt. Denn heute kriegen wir ja noch nicht einmal einigermaßen funktionierende Funktionsträger, also Huxley´sche Flaschenmenschen, hin.

  • der "Standortvorteil" hat aber arg gelitten. Noch in den 1980er Jahren bildeten fast 40% der Firmen aus, heute sind es nur noch 22,5%, davon 11% gewerbliche Wirtschaft -- Öffentl. Dienst inklusive und der bildet ÜBER Bedarf aus, nur weil er den Mangel kaschieren wollte.

    das darf man nicht außer Acht lassen. 2,2 Mio sollen ohne Ausbildung sein lt. DGB -- lt Berufsschullehrerverband sind ca. 17% ungelernt bei denen zwischen 24 und 30 Jahren.

    die duale Ausbildung soll eine Sekundarstufe 2 sein, real sind die Azubis bei Eintritt aber alle schon im Abituralter -- die Lücke zwischen Schulende (Klasse 9-10) und Eintritt Ausbildung im Abituralter schließt dann das Übergangssystem mit Warteschleifen oder eben ein weiterer Schulabschluss. Dann kann man die aber gleich länger beschulen.

    eben bis zur "Reife", die man denen ja abspricht mit ca. 16. Warum wohl?

    in vielen Ländern dauert die Schulpflicht 12-13 Jahre --- auch das gibt es schon.

    DE passt die Bildung von zu vielen Bürgern immer an die Hauptschule an, weil der Letzte Hauptschüler noch rein muss. So kommt es auch, dass viele nachher auf Hauptschulniveau lernen, die nie eine von Innen gesehen haben. Damit hält man das Bildungsniveau auch künstlich niedrig.

    ich bin nicht mehr überzeugt von der Qualität der "Lehre" -- die Wirtschaft anscheinend auch nicht, wenn immer weniger ausbilden.

    und welche Firma nimmt noch 16jährige oder Hauptschüler?

    bei den angeworbenen Spaniern etc. nimmt man wieder mal ältere Azubis -- also über 20.

    das soll ja eigentlich eine Sekundarstufe 2 sein - für 16jährige - selbst das BIBB sagt, man müsste Älteren mehr zahlen wg. höherer Produktivität und beharrt darauf, es wäre ein Bildungsangebot für 16jährige - die kommen aber gar nicht mehr rein - nur noch 28% sinkender Tendenz sind unter 18 --- bald sind die alle über 20.

    damit wär man im Ausland aber ein Student. Ist ein bisschen alt für die Sekundarstufe 2.

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