OECD
Rätselraten

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Nichts Genaues weiß sie nicht, die OECD. Die Ökonomen der Organisation verzichteten darauf, die konjunkturellen Folgen der US-Subprimekrise vorherzusagen. Der Absturz am US-Immobilienmarkt sei zwar direkt berechenbar, nicht jedoch die daraus indirekt resultierenden Verluste in der Finanzwirtschaft, verkündete OECD-Chefökonom Cotis.

OECD-Mitgliedstaat Deutschland, dessen Kreditinstitute auf dem US-Immobilienmarkt viele Millionen verspielten, kann mit dieser Auskunft nicht so richtig zufrieden sein. Es ist ja schön, dass die OECD uns immer noch 2,6 Prozent Wirtschaftswachstum für dieses Jahr vorhersagt. Doch wie ernst darf man diese Prognose überhaupt nehmen?

Die Frage stellt sich erst recht, wenn man die wirtschaftliche Entwicklung im ersten Halbjahr betrachtet. Die deutsche Wirtschaft wuchs im ersten Quartal um 0,5 und im zweiten um 0,3 Prozentpunkte. Frankreich hat exakt identische Wachstumsraten vorzuweisen. Für Frankreich sagt die OECD im Gesamtjahr aber nur ein Wachstum von 1,8 Prozent vorher, rund ein Drittel weniger als in Deutschland.

Die Differenz erklärte OECD-Chefvolkswirt Cotis unter anderem mit dem schönen Satz: „Die Deutschen produzieren, und die Franzosen konsumieren.“ In der Tat sind französische Produkte auf den Weltmärkten derzeit weniger wettbewerbsfähig als deutsche, was sich im riesigen französischen Handelsbilanzdefizit widerspiegelt.

Andererseits stimmt auch, dass die deutsche Volkswirtschaft ihre vielfach vorhergesagte Wachstumsstärke in diesem Jahr noch beweisen muss. Die schwache deutsche Performance im zweiten Quartal hat die OECD nach eigenem Bekunden „überrascht“. Ob es bei dieser einen Überraschung bleibt, werden wir am Jahresende wissen.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

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