Öffentlicher Dienst
Weder recht noch billig

Die Tarifforderung von Verdi für die Angestellten im öffentlichen Dienst ist überzogen, weil sie nicht die tatsächliche Leistung der Beschäftigten berücksichtigt.
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Deutschland steckt in den roten Zahlen. Selbst im Boomjahr 2011 ist es uns nicht gelungen, den Schuldenberg kleiner werden zu lassen. Im Gegenteil: 550 Milliarden Euro sind schon wieder dazu gekommen. Jedes Unternehmen, das so wirtschaftet, wäre vermutlich am Ende. Es sei denn, es würde ein Kostensenkungsprogramm auflegen, das den Mitarbeitern einiges abverlangt. Das aber passiert in der Deutschland AG nicht. Für das Unternehmen Deutschland beginnen heute die Tarifverhandlungen. Da geht es um 6,5 Prozent mehr für die Angestellten im Öffentlichen Dienst.

Diese Forderung ist weder recht noch billig. Sie würde Deutschland direkt auf den griechischen Weg schicken. Die Begründung von Verdi-Chef Frank Bsirske, der den Ehrensold für Bundespräsidenten genauso wie eine seiner Meinung nach unzureichende Besteuerung von Erbschaften heranzieht, ist nichts als Polemik. Deutschland ist alles andere als eine Steueroase und Deutschland leistet sich einen Ehrensold für seine Bundespräsidenten, der dieses Land nie und nimmer ruiniert.

Auch Bsirske könnte ja mal  differenzieren. Es gibt Aufgaben im öffentlichen Dienst von der Krankenschwester bis zum angestellten Lehrer, die sind schlicht unterbezahlt. Es gibt aber auch andere und jeder, der einmal freitags um 13 Uhr versucht hat, so einen anderen zu erreichen, wird wissen, warum 6,5 Prozent mehr Lohn da eine freche Forderung sind. Eine große Gewerkschaft wie Verdi, die von ihrer Geschlossenheit lebt, kann sich jedoch eine Aufteilung in Leistungsträger und solche, die nicht mehr verdienen, als sie verdienen, nicht leisten. Darin liegt ihre Schwäche. Und darin liegt der Grund, warum 6,5 Prozent zu viel sind.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Öffentlicher Dienst: Weder recht noch billig"

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  • Wassolldas?
    Der Anspruch des Handelsblatts ist es, das „führende Wirtschaftsportal in Deutschland zu werden“. Wie wollen Sie das denn schaffen, wenn Sie als Chefredakteur solche Artikel schreiben? Nach der Lektüre dachte ich mir: er weiß nicht so recht, was Schulden sind, er hat offensichtlich wenig Ahnung vom öffentlichen Dienst, bedient Klischees wie ein Boulevardjournalist und hat wahrscheinlich eine Krankenschwester im Bekanntenkreis. Öffentlicher Dienst ist keine Aktiengesellschaft, insoweit ist es grotesk, die Entlohnung der Bediensteten in erster Linie an der Kassenlage von Bund, Ländern und Kommunen festmachen zu wollen, die häufig sehr wenig mit der Arbeit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten zu tun hat. Vorschlag: Vergleichen Sie doch gelegentlich die Leistungsstärke der öffentlichen Verwaltung hierzulande mit der anderer Länder, vielleicht erkennen Sie dabei auch einen gewissen Zusammenhang mit der Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes und vielleicht auch eine gewisse Berechtigung der Forderungen der Gewerkschaften. Wie auch immer, Sie haben ein massives Qualitätsproblem, das Sie schleunigst beheben sollten. Mich würden die Leserreaktionen jedenfalls dazu motivieren, über die eine oder andere Frage einmal sehr intensiv nachzudenken (Berufsethos?). Beste Wünsche hierfür!

  • Es ist für mich unverständlich, dass sich ein Chefredakteur auf einem derartigen Stammtischniveau äussert. Natürlich gibt es im öffentlichen Dienst stärkere und schwächere Mitarbeiter wie in jeder anderen Branche auch. Natürlich gibt es einzelne Beschäftigte, die Schwächen im System ausnutzen, wie in anderen Branchen auch. Deshalb generell die berechtigte Forderung der Beschäftigten nach Teilhabe an der allgemeinen Einkommensentwicklung zu verteufeln ist schlichtweg schäbig. Sich dann hinter der populären Ausklammerung von Krankenschwestern, ... zu verstecken ist unterste Schublade. Wer sind denn die anderen? Sind es die Schneeräumer, die sich Samstag und Sonntag um 3 Uhr früh zu ihrem Räumfahrzeug durchgekämpft haben und deshalb an anderen Tagen früher Schluß haben? Ach ja ich weiß schon, es sind die Verwaltungsangestellten, die vielleicht einen Antrag nicht mit dem gewünschten Ergebnis beschieden haben...
    Im übrigen finde ich es traurig, dass sich die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, genauso wie die Beamten, quasi von ihrem Arbeitgeber (Staat = Bürger) immer wieder öffentlich als faules, nichtsnutziges Pack beschimpfen lassen müssen. Das ist z. B. etwas, das es in keiner anderen Branche gibt ...

  • Nur Bares ist Wahres

    Die Veränderung der nominellen LohnStückkosten (s. Eurostat) und die Wirtschaftsdaten in Gold ( s.Wikipedia, Goldpreis ) zeigen eine diffenzierte Lohmerhöhung zwischen 6,5-9,5% an. Ver.di sollte acht geben. Deutschland benötigt mehr Inflation statt Deflation oder Stagflation.

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