
Den Verwerfungen auf den Finanzmärkten und dem flächendeckenden Versagen der Wirtschaftswissenschaften scheint das Komitee weitgehend aus dem Weg gegangenen zu sein. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine Theorie oder einige Annahmen aus der Standardtheorie in Zweifel gezogen werden müssen. In den allermeisten theoretischen Modellen spielten Finanzmärkte gar keine Rolle, weil die Theoretiker davon ausgingen, dass sich da schon alles im Gleichgewicht befinden würde.
An dieser Stelle aber geht das Nobelpreis-Komitee immerhin einen kleinen Schritt zu mehr Realität in der Forschung. Die drei ausgezeichneten Forscher, deren Güte damit keinesfalls geschmälert werden sollte, haben sich systematisch mit Situationen befasst, in denen Märkte, wie zum Beispiel der Arbeitsmarkt, eben nicht wie im Lehrbuch funktionieren, Angebot und Nachfrage eben nicht zur Deckung kommen.
Das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) hat die Arbeiten von Mortenson und Pissarides zu Recht bereits 2005 mit dem IZA-Preis für Arbeitsökonomie geehrt - einem der wichtigsten Preise für Wirtschaftswissenschaftler. Sie haben ganz wertfrei analysiert, wann es sich für einen Arbeitnehmer lohnt, ein Angebot anzunehmen, und wann es sich für den Arbeitgeber lohnt, lieber noch weitere Bewerber zu sichten. Ihr Theorie-Zweig nennt sich Search Theory, weil Dauer und Prozess der Suche zwischen Angebot und Nachfrage auf einigen Märkten besondere Beachtung verdient.
Wir dürfen gespannt sein, wann das Thema Finanzkrise für das Nobelpreis-Komitee Beachtung verdient.