Ölkonzerne
Auf nach Asien

Der Flugplan von BP-Chef Lord Browne weist in der nächsten Woche wieder einen Stopp in Peking auf. Offiziell kommt der Lord in seiner Eigenschaft als Berater einer Universität. Doch Beobachter in Chinas Hauptstadt vermuten mehr hinter der Visite: Der BP-Chef sucht derzeit nach Chancen, um das Engagement seines Konzerns im Reich der Mitte auszubauen.

Der britische Energiemulti steht damit nicht allein in der Branche: Ob Exxon-Mobil, Total, Chevron oder Shell – die großen Ölkonzerne sehen immer gebannter auf Asien. Und dabei vor allem auf den Ausbau des „Downstream“-Geschäfts, also der Verarbeitung des Rohöls und des Verkaufs der daraus gewonnenen Produkte.

In Indien konnte BP erst kürzlich einen Erfolg verbuchen: Dort schloss der führende Ölkonzern Europas mit der halbstaatlichen Hindustan Petroleum eine drei Milliarden Dollar schwere Vereinbarung zum Bau von Raffinerien und Tankstellen ab.

Der nach Marktwert größte Ölkonzern der Welt, Exxon-Mobil, spricht derzeit mit dem chinesischen Petrochemiekonzern Sinopec über den Verkauf von Tankstellen. Mit Sinopec ist auch BP seit Jahren eng verbunden und will diese Kooperation weiter ausbauen. In Indien buhlen die westlichen Multis zudem um den Reliance-Konzern und eine Beteiligung an dessen Gasfeld im Golf von Bengalen. Und Total und Samsung planen den Ausbau einer Petrochemieanlage in Südkorea. Die Liste der aktuellen Projekte ist lang.

Die Mittel für die Expansion in Asien haben die Konzerne im Überfluss: Die Gewinne der Multis streben dank der anhaltend hohen Energiepreise und des auf Hochtouren brummenden Raffineriegeschäfts in diesem Jahr einem neuen Rekordniveau zu. Im abgelaufenen Quartal werden die fünf führenden Konzerne einen geschätzten Profit von 26 Milliarden Dollar auf die Seite legen können. Einem Mantra gleich stellt sich die Frage, was die so genannten „big five“ – neben Exxon-Mobil, BP und Royal Dutch Shell sind dies noch Chevron-Texaco und Total – mit dem Geld eigentlich machen.

Die gleich bleibende Antwort lautete bisher: Sie geben es vor allem an ihre Aktionäre zurück. Seit fünf Jahren haben die großen fünf rund 83 Milliarden Dollar in den Rückkauf eigener Anteile gesteckt – die Dividenden, über die sich die Anleger erfreuen durften, kommen da noch obendrauf. Im gleichen Zeitraum stiegen zwar auch die Budgets für die Entwicklung neuer Vorkommen. Allein im vergangenen Jahr flossen 195 Milliarden Dollar in den Bereich der Erschließung und Förderung. Doch unter dem Strich blieb der weltweite Stand der Ölreserven auf dem Niveau des Vorjahres.

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