Ölmärkte
Keine Ausreden für Ölverbraucher

Der neuerliche Ölpreisschock heizt die Diskussion an, wer für die sprunghafte Verteuerung des Schmiermittels der Weltwirtschaft verantwortlich ist. Doch: Jeder Dollar, um den Finanzanleger den Ölpreis aufblähen, hat auch etwas Gutes: Er beschleunigt die unabdingbaren Anpassungen. Eine Analyse.
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Ein Anstieg von rund zehn Dollar auf 139 Dollar je 159-Liter-Fass an einem einzigen Tag lässt sich allein mit dem immer schwächeren Dollar und Ängsten vor einem neuen Krieg in Nahost kaum erklären. Die Versuchung ist daher groß, Spekulanten in Haftung zu nehmen. Ihr erliegen nicht nur Politiker, sondern auch viele Ökonomen.

Politischer Druck hat die US-Aufsichtsbehörde für die Rohstoff-Terminmärkte, CFTC, veranlasst, eine neue Untersuchung der Ölterminmärkte zu starten. Erstmals prüft sie dabei tägliche Handelsdaten, und erstmals bezieht sie neben dem dominierenden New Yorker Handel auch den Londoner ein. So will sie die Frage klären, ob der Ölterminmarkt manipuliert wird. 2005 hat sie schon einmal eine solche Untersuchung abgeschlossen und ist zu einem glasklaren Schluss gekommen: Die Aktionen von Finanzinvestoren wie Hedge-Fonds hätten keinen steigernden Einfluss auf die Ölpreise am Terminmarkt.

Seither sind zu den Hedge-Fonds noch andere Investoren auf der Suche nach neuen, lukrativen Anlagen gestoßen. Vor allem Indexfonds, die in einen Korb von Rohstoffterminkontrakten investieren, sind rapide gewachsen. Weil sie davon profitieren, wenn die Rohstoffpreise steigen, gelten sie nun vielen als Hauptverantwortliche der jüngsten Ölpreisausschläge. Doch hier gilt es, begrifflich sauber zu bleiben: Spekulation auf steigende Preise ist noch keine Marktmanipulation.

Auch wenn sie nicht manipulieren - sind die Finanzanleger die Hauptverantwortlichen für die Ölpreisanstiege? Die schiere Masse der Mittel spreche dafür, sagt etwa US-Senator Joseph Lieberman. Das Anlagevolumen der Indexfonds habe sich innerhalb von fünf Jahren auf 260 Milliarden Dollar verzwanzigfacht. Die Spekulation der Fonds auf steigende Preise sei zur selbsterfüllenden Prophezeiung geworden.

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