ÖLMULTIS
Grünes Polster

Eine bessere Vorlage kann es nicht geben. Einer der größten Konzerne der Welt in einer der umweltschädlichsten Industrien hat sich jahrelang als Wortführer gegen Klimawandel und Vorreiter für nachhaltiges Wirtschaften positioniert – und muss sich wiederholte Schlampereien bei Umwelt- und Sicherheitsstandards in den Vereinigten Staaten vorhalten lassen.

Da muss es doch jeden Umweltaktivisten in den Fingern jucken, die Heuchler an den Pranger zu stellen. Doch was passiert?Nichts!

Die Rede ist natürlich von BP, dem von „British Petroleum“ in „Beyond Petroleum“ umdeklarierten Energieriesen. Er hat sich mit einer Pannenserie in den USA bis auf die Knochen blamiert. Von einem Raffinerie-Unglück mit Todesopfern bis zu den leckenden Pipelines in Alaska hat sich BP hier zuletzt als Unternehmen präsentiert, in dem das Management vor Ort die Bekenntnisse des Konzerns zu nachhaltigem Wirtschaften offenbar für PR-Gerede hält. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Verantwortlichen an den Ölquellen in Alaska die Wartung rostanfälliger Pipelines jahrelang schleifen ließen?

Zwar werden BP-Manager nun vor dem US-Kongress und in den Medien vorgeführt, doch die Umweltschutzorganisationen sind bemerkenswert ruhig geblieben. Keine Spur von einer Kampagne, wie sie den europäischen Erzkonkurrenten Royal Dutch Shell 1995 überrollte, als er den ausgedienten Ölspeicher „Brent Spar“ in der Nordsee versenken wollte. Damals inszenierte Greenpeace eine internationale Kampagne gegen den Konzern und setzte ihm mit Boykottaufrufen arg zu. Als die Aktivisten zugeben mussten, dass sie den potenziellen Umweltfrevel weit überzeichnet hatten, war der wirtschaftliche Schaden für Shell schon nicht mehr gutzumachen.

Doch im Fall BP ist von den grünen Kämpfern wenig zu hören. Keine Spur von einer Kampagne, sondern maßvolle Kritik bestimmt die Debatte. In der „Financial Times“ fordert eine Umweltaktivistin aus Oregon gar, BP

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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