Ölpreis
Kollaps verhindern

In einem der vielen armen Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut, Gastgeber der Opec-Konferenz, hat die Armee vergangene Woche fünf Demonstranten erschossen. Der Grund für den Protest: die hohen Benzinpreise.

Droht der steigende Preis für Rohöl die Weltkonjunktur abzuwürgen und damit auch soziale Unruhen anzustacheln? Bei aller Sorge um das Wachstum, die auch die EU-Kommission gestern geäußert hat, besteht kein Grund zur Panik: Noch gibt es keine Ölpreiskrise wie 1980. Und all denen, die sich beim Tanken ärgern, sei gesagt: Im Vergleich zu 1980 ist das reale Pro-Kopf-Einkommen beim wichtigsten Förderstaat Saudi-Arabien von damals 25 000 Dollar auf heute 2 500 Dollar gesunken.

Obwohl die Minister des Ölkartells ihren Einfluss auf den Preis herunterspielen, sind sie mit ihrer Politik im Inland wie an den Ölmärkten die Hauptverantwortlichen für den Preisanstieg. In fast allen Opec-Staaten haben sich die Gesellschaften in den vergangenen 20 Jahren dramatisch verändert. Doch die wirtschaftlichen und sozialen Reformen in der arabisch-islamischen Welt gehen nicht annähernd schnell genug voran.

Deshalb ächzen die Staatshaushalte unter neuen sozialen Lasten, während die Wirtschaft sich nicht internationalisiert. Man muss realistisch sein: Es gibt kaum eine Chance dafür, dass die arabischen Länder sich zügig für westliche Ölfirmen öffnen, um mehr fördern zu können.

Die Abhängigkeit vom Opec-Öl wird in den kommenden Jahren aber zunehmen: Nirgendwo auf der Welt lässt sich qualitativ hochwertiges Rohöl so leicht gewinnen wie im Nahen Osten. Die gestiegene Nachfrage vor allem aus Asien muss gedeckt werden, andernfalls droht der Weltkonjunktur der Kollaps.

Dafür muss viel Geld in die Ölanlagen gesteckt werden. Bis die Reformen vorankommen, müssen die Opec-Länder im Nahen Osten die Kosten für die anstehenden Investitionen selbst verdienen. Die hohen Ölpreise sind ein Übel, doch die Alternative wäre noch schlimmer: Hielte die Zusatzförderung der Opec jetzt nicht mit der Nachfrage Schritt oder würde gar ein Land wie Saudi-Arabien kurzfristig ausfallen, müssten wir noch viel höhere Preise zahlen.

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